Bad Zwischenahn - Normalerweise bringt Gerhard Langner Hilfsgüter und Geld nach Weißrussland, bei seiner letzten Fahrt waren es Menschen.

Viele seiner Unterstützer in den vergangenen Jahren hätten immer wieder Interesse gezeigt, ihn einmal bei seinen Fahrten in das Land zu begleiten, berichtet der Kayhauser, der seit Jahrzehnten humanitäre Hilfe in Weißrussland leistet. In diesem Jahr organisierte Langner dann eine solche Fahrt. Von zwölf Personen, die ihn ursprünglich begleiten wollten, wagten am Ende vier das Abenteuer. „Die 30 Stunden Reisezeit haben dann wohl doch viele abgeschreckt“, so Langner. Mit einem Linienbus brach die Gruppe auf.

Johann Schroven (72), kennt sich in Osteuropa gut aus, Günter Rangosch (66), Paul Ebkens (55) und Detlev Kropp (53) bereitete die Fahrt in die „letzte Diktatur Europas“ aber schon Unbehagen. „Ich war noch nie so weit im Osten“, so Kropp. „Ich hatte sehr zurückhaltende Menschen erwartet, aber das war schon kurz nach der Grenze vorbei.“ Von der Herzlichkeit und Dankbarkeit der Menschen in der 300 000-Einwohner-Stadt Mogilev waren auch die anderen Mitreisenden überrascht. „Ich wollte Gerhard auf den Spuren dessen folgen, was er bewegt hat“, so Rangosch. „Seine Erfolge in Weißrussland sind wirklich beeindruckend.“ Dank Langners Kontakten vor Ort konnte die kleine Gruppe zahlreiche Einrichtungen besuchen, die in vielen Jahren aus dem Ammerland und Oldenburg unterstützt wurden: von Dorfschulen über ein SOS-Kinderdorf und eine Internatsklinik bis zum Altenheim. Über mehrere Tage fuhr die Gruppe täglich drei Stationen ab.

Langners Ansprechpartner in Mogilev hatten aber auch für ein umfangreiches Kulturprogramm gesorgt. Tief in Erinnerung geblieben ist allen auch der Besuch auf einem Soldatenfriedhof aus dem zweiten Weltkrieg: Mindestens 32 000 russische Soldaten sind dort begraben, weitere 30 000 deutsche. „Das trotz dieses bitteren Krieges eine so herzliche Freundschaft möglich ist“, wundert Gerhard Langner ebenso immer wieder, wie seine Begleiter. „Wir haben in diesem Land immer noch einiges gut zu machen“, ist Günter Rangosch überzeugt.

Gelegenheiten dazu gibt es nach wie vor reichlich und Gerhard Langner will sie auch weiterhin nutzen. Im Herbst wird der 76-jährige wieder nach Mogilev aufbrechen, dieses Mal wohl nicht mit einem Transporter, sondern mit rein finanzieller Hilfe, für die er bereits jetzt wieder um Unterstützung bittet.

Christian Quapp
Christian Quapp Team Nord (Leitung)