Ganderkesee - Die neuen Majestäten hielten dicht. Niemandem sollten Klaus-Dieter Stubbemann („Stubbi“) und Ursel Hüholt (heute Stöber) im Herbst 1965 verraten, dass sie das Prinzenpaar 1966 sein würden. Das hatte das „Greifkommando“ des Faschings den beiden mit auf den Weg gegeben. Also erzählte Stubbi selbst seiner Freundin (und späteren Frau) Rosita Jacobs kein Sterbenswörtchen – auch nicht, als er erfuhr, dass sie selbst Ehrendame würde. Am 11.11., bei der Proklamation im Schützenhof, war die Überraschung perfekt: „Rosita ist fast vom Stuhl gefallen“, erinnert sich Stubbemann.
50 Jahre später, in der jetzigen Session 2015/16, können Ursel Stöber und Klaus-Dieter Stubbemann „Goldene“ feiern. Was in der Faschingsgeschichte selten ist: Beide sind seither im Fasching aktiv geblieben – sie bei den Exprinzessinnen, er beim Bühnenaufbau und bei den Exprinzen.
In der Session 1965/66, so erinnern sich die beiden, habe es bereits viele der heutigen Faschingsbräuche gegeben. So schlich das „Greifkommando“ (damals Gustav Schütte, Willi Bochmann und Herbert Witte) im Schutz der Dunkelheit durch’s Dorf, um die Auserwähl- ten zu fragen, ob sie denn Prinz, Prin-zessin oder Ehrendame sein wollten. Sie hätten „sofort zugesagt“, betonen die Jubilare – wobei die damals 19-jährige Ursel Hüholt vom Vater mit auf den Weg bekam, sie möge sich am 11.11. als „frisch gebackene Prinzessin“ vorstellen. Die Erklärung liegt auf der Hand: Hermann Hüholt war als Bäcker tätig.
Einige der heute obligatorischen Termine habe es noch nicht gegeben, berichten die beiden. Das gelte zum Beispiel für die Fahrten zum Kreishaus oder nach Delmenhorst, fürs Schlips-Abschneide an Weiberfastnacht, für den Frühschoppen oder das Heringsessen. So wie heute gab es vier Büttenabende – die aber nicht in einer großen Festhalle, sondern im Gasthof Witte in Immer stiegen.
Am Umzugs-Sonnabend 1966, so erzählt es Ursel Stöber, habe der Winter seinem Namen alle Ehre gemacht – mit Bergen von Schnee. Da war im faschingsverrückten Dorf Ganderkesee Improvisation gefragt: Die Firma Weyhausen schickte einen Baggerfahrer, der den Hof beim Haus Hüholt fürs Abholen der Majestät freiräumte, der Feinmechanik-Betrieb Köster stellte einen „Kanonenofen“ zur Verfügung, damit auf dem Prinzenwagen niemand zu arg fror.
Nach der Schlüsselübergabe durch Bürgermeister Fritz Engels habe sich der Tross bei Friseur Kühn in Bewegung gesetzt – ein im Vergleich zu heute deutlich kleinerer Tross, wie Stubbemann betont – „vielleicht 40 oder 50 Gruppen“. Wohl auch wegen des kalten Wetters seien die Zuschauerreihen Am Steinacker ziemlich licht gewesen, erinnert sich Exprinzessin Ursel.
Nach dem Umzug wurde in Gaststätten im Ortskern gefeiert – Zelte gab es noch nicht. Die Auswahl war groß: Da gab es die „Prinzessin-Bar“ Brunken (heute: Videothek), die Eiche (Mühlenstraße), die Linde (heute Bistro), das Gasthaus Westermann (Urneburger Straße), den Schützenhof, Bucksche Härtel (Ring), Niehoff (heute Mierke-Haus) – oder auch die zur Festhalle umdekorierte alte Sporthalle am Habbrügger Weg.
Nach einer Verschnaufpause am Sonntag ging’s am Rosenmontag weiter – „da haben sich die Gruppen in den Gaststätten zum Feiern getroffen“, so Stubbemann. Dass eben dieses Feiern mindestens genauso viel Spaß machte wie heute, daran lassen die beiden Ex-Majestäten keinen Zweifel. „Wie sich das gehört“, habe man die Nacht zum Tag gemacht, lacht Stubbi.
