Wo ein Wille, ist auch ein Weg. – Das Leben von Chrisanthos Kesoglu lässt sich kaum besser beschreiben als mit diesem Sprichwort. „Taki“, wie er von Freunden liebevoll genannt wird, ist 1944 in Griechenland geboren. Im kleinen Ort Kira-Vrissi ist er zusammen mit seinen beiden älteren Schwestern auf dem Bauernhof seiner Eltern aufgewachsen. Nach der Grundschule schickten ihn seine Eltern aufs Gymnasium. In Griechenland sind dort „nur“ die ersten fünf Jahre kostenlos.
Von nun an wurde es für Chrisanthos schwer. Inzwischen war seine Mutter gestorben, und sein Vater hatte das Schulgeld für ihn nicht übrig. Also ging er auf das Abendgymnasium und verdiente das notwendige Geld selbst. Das Gymnasium war in Thessaloniki – und damit 55 Kilometer von daheim entfernt.
Er musste sich ein Zimmer nehmen, das er sich mit fünf Mitschülern teilte. Vom Gymnasium bis zur Wohnung waren es einige Kilometer, und die lief er meistens zu Fuß. „Ein Fahrrad konnte ich mir nicht leisten. Und das Geld für den Bus musste ich sparen. So war ich oft erst um 1 Uhr in der Nacht in meinem Zimmer“, erinnert er sich.
Tagsüber arbeitete Chrisanthos in einem Betrieb als Laufjunge. In diesem Betrieb war eine Verkäuferin, deren Freund aus Deutschland kam und für eine Uhrenfabrik arbeitete. Die Uhrenfabrik „Urofa“ hatte ihren Standort in Hollen (Gemeinde Ganderkesee). Er bekam das Angebot, bei „Urofa“ eine Ausbildung zu machen. Da Chrisanthos keine Zukunft in Griechenland sah, nahm er das Angebot an und verzichtete damit auf sein Abitur.
Sein Vater meinte: „Was macht mein Junge nur?“ Mit 17 Jahren wagten Chrisanthos und drei seiner Freunde das Abenteuer Deutschland. „Am Bahnhof Bremen wurden wir vom Chef persönlich in einem VW Käfer abgeholt“, weiß Chrisanthos noch genau. Doch schon bald erlebten die jungen Griechen die harte Realität. Verständigungsprobleme und dazu das wenige Geld, das einem Lehrling zustand, bewogen seine drei Freunde zur schnellen Rückkehr nach Griechenland.
Dank seines ungebrochenen Optimismus hielt Chrisanthos durch. Obwohl er vorher noch nie Fußball gespielt hatte, ging er zum VfL Stenum. Schnell wurde klar, dass er ein sehr talentierter Spieler war. Fußballschuhe und Trikots wurden gesponsert, und auch sonst war er mittendrin. Er fand Freunde und wurde schnell akzeptiert und geachtet. Die sprachliche Barriere wurde immer niedriger.
Als er an einem Abend mit Freunden bei „Backenköhler“ ein Bier trank, lernte er die 16-jährige Irene Geerken kennen. Inzwischen hatte auch Chrisanthos seine Ausbildung abgebrochen und war als sogenannter Hilfsarbeiter auf dem Bau, wo er mehr Geld verdienen konnte. „Meine Irene war für mich immer eine ganz große Unterstützung, und ich habe ihr sehr viel zu verdanken“, betont er.
1964 musste er für zwei Jahre seinen Wehrdienst in Griechenland ableisten. „Wenn ich den nicht angetreten hätte, wäre ich bei meinem nächsten Besuch in Griechenland verhaftet worden“, berichtet er. Seine Irene begleitete ihn und lebte einige Monate bei ihrem Schwiegervater. Dabei lernte sie die griechische Kultur und die griechische Küche kennen.
Wieder in Deutschland angekommen, arbeitete er bei einer Firma in Bookholzberg und entdeckte dort seine Liebe zum Baggerfahren. Ein Freund vermittelte ihn zur Ganderkeseer Firma Stobbe, wo er insgesamt 41 Jahre arbeitete. „Ich war verrückt nach Baggerfahren“, sagt Chrisanthos lächelnd.
Schnell sprach sich herum, dass er der Mann für die ganz besonderen Fälle war. Oft hieß es: „Taki muss mit seinem Bagger kommen!“ – „Ich war der glücklichste Mensch und hatte beruflich und auch privat meinen Halt gefunden“, beschreibt Chrisanthos seine ersten Jahre in Deutschland. Dass er überall sehr beliebt war, beweist die Tatsache, dass er gerne als Trauzeuge genommen wurde.
1969 heiratete er seine Irene und die Kinder Veronika (43), Constanze (41) und Roberto (40) vervollständigten das Familienglück. Inzwischen gehören auch zwei Enkelkinder dazu. Fleiß und Sparsamkeit waren für Irene und Chrisanthos immer wichtig, so bauten sie sich 1975 auf dem Grundstück ihres Vaters in Stenum ihr Eigenheim. Vor einigen Jahren erwarben sie noch ein Haus in Griechenland.
„Das war die Idee meiner Frau“, gibt Chrisanthos zu. In jedem Jahr verbringen sie einige Monate in ihrem Haus in Lefkas und genießen es, wenn sie im Ionischen Meer an der griechischen Westküste schwimmen können.
Chrisanthos Kesoglou wird auch „Der Plattdeutsch sprechende Grieche“ genannt. Als er einmal für einige Monate in Papenburg arbeiten musste, begegnete er Menschen, die nur Plattdeutsch miteinander sprachen. „Ich habe zwar nichts verstanden, aber ich fand die Sprache toll!“
Dabei blieb es nicht. Zehn Jahre nahm er an der VHS in Delmenhorst Plattdeutsch-Unterricht und bedauert, dass nur wenige Menschen mit ihm Plattdeutsch sprechen.
Chrisanthos Kesoglu, Plattdeutsch sprechender Grieche aus Stenum
