Bardenfleth - Am Ewigkeitssonntag war das Kammerorchester St. Anna Bardenfleth im Weserbergland in der schönen Lippoldsberger Klosterkirche zu Gast und am vergangenen Sonntag, dem 1. Advent, war sowohl dem Ensemble als auch seinem Dirigenten Thomas Bönisch dieses Ereignis noch sehr nahe. „Es war ein herrliches Ereignis“, kommentierte Bönisch das Gastspiel, aber angesichts des erwartungsvollen Publikums in der voll besetzten St.-Anna-Kirche fügte Bönisch hinzu: „Warum in die Ferne schweifen…?“.

Was an „Gutem“ so nah lag, obwohl es in die ferne Zeit des Barock entführte, musizierte das Orchester unter dem Motto „Musik und Geschichten zum 1. Advent“ unterstützt von Thomas Bönisch am Cembalo. An der Blockflöte brillierte die Solistin Ulrike Folch und Matthias Kroll hatte sich als Geschichten-Erzähler Oscar Wildes wunderschönes Märchen „Der selbstsüchtige Riese“ ausgewählt.

Das Kammerorchester eröffnete sein barockes Repertoire mit der „Schauspielmusik“ von Daniel Purcell. Daniel, der jüngere Bruder des weltbekannten englischen Komponisten Henri Purcell, hatte die Schauspielmusiken gegen Ende des 17. Jahrhunderts komponiert, um die Besucher atmosphärisch auf das jeweilig anstehende Schauspiel einzustimmen – am Sonntag gaben sie auch einen guten Vorgeschmack auf das, was in der St.-Anna-Kirche noch kommen sollte.

Es kam mit barocker Fülle eine Sonate von Johann Sebastian Bach. Sieben Kammermusikstücke für Flöte hatte der Leipziger Thomaskantor der Nachwelt hinterlassen. Für die Blockflöte als Soloinstrument hatte Bach allerdings nicht so viel übrig, er setzte diese Sonaten für die Traversflöte. Das konnte die Solistin Ulrike Folch jedoch überhaupt nicht erschüttern, Sie begeisterte das Publikum mit der Sonate in D-Moll, transponiert für Alt-Blockflöte, mit einer Intensität und Spielfreude, die mit langem Applaus belohnt wurde.

Mit der Parabel gegen den Egoismus und für die Nächstenliebe hatte einst Oscar Wilde seine Leser berührt. Viele der Besucher in der St.-Anna-Kirche hatten dieses Märchen vom „Selbstsüchtigen Riesen“ seit ihrer Kindheit nicht mehr gehört oder gelesen – und so wurde es mucksmäuschenstill, als Matthias Kroll den Text vorlas.

„Sie lässt so schnell keine Sechzehntelnoten aus“, scherzte Thomas Bönisch, als Ulrike Folch zum Ende des Konzerts die A-Moll Suite für Blockflöte und Streicher von Georg Philipp Telemann anstimmte und damit die Kirchenbesucher noch einmal in Schwung brachte. Diesen Schwung setzte das Publikum gerne in den begeisterten Schlussapplaus um und freute sich über eine erklatschte Zugabe.