BARßEL - Schüler der zehnten Klassen studieren den Shakespeare-Klassiker „Der Widerspenstigen Zähmung“ ein. Zwei Auftritte sind geplant.

von Hans Passmann

BARßEL - Die Schülerinnen Emma Malke und Julia Bengard sind widespenstig. Natürlich nur als „Katharina“ auf der Bühne, dort müssen sie es sein, wenigstens für die Dauer der Inszenierung von William Shakespeares Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung“. „Bianca“ gespielt von Lisa Boxen und Jasmin Dwuletzki, ist brav – wird aber so brav nicht bleiben . . . Die Geschichte des ungleichen Geschwisterpaares, das nur unter Irrungen und Wirrungen unter die Haube zu bringen ist, hat sich der Wahlpflichtkurs (WPK) Deutsch der Realschule Barßel ausgesucht, um sich erstmals der Öffentlichkeit zu präsentieren. Gleich zweimal führt der Kurs das Stück auf, und zwar am Freitag, 15., und am Sonnabend, 16. April, jeweils um 20 Uhr in der Aula des Schulzentrums Barßel. Dann will das Team von Schülern aus den Klassen 10 dem Publikum zeigen, was sie in den vergangenen Wochen einstudiert haben.

„Wir haben uns das Stück wieder und wieder angesehen. Und dann unsere eigene Fassung geschrieben“, erzählt der angehende Student Lucentio, alias Christoph Hempen. „Wir haben einige Gags und Extras eingebaut“, sagt Emma Malke. Allzu lange Dialoge sind rausgeflogen. Das dient der Dramatik. Dafür dürfen sich die Teilzeit-Schwestern ausgiebig zoffen.

Hinter der lustspielartigen Fassade steckt freilich mehr: Um die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau, zwischen Arm und Reich geht es. Vor allem aber erfreut sich die „Zähmung“ weniger wegen ihrer Tiefe als ihrer Bühnenwirksamkeit so großer Beliebtheit. Schon bei den Proben war denn auf der Bühne die Hölle los. Himmlisch mit anzusehen, wie die „Schauspiel-Schüler“ sich in ihre Rollen hineinversetzen. Da brauchte AG-Leiter Rainer Pagel nicht oft einzugreifen, höchsten wenn mal im Übermut zu schnell gesprochen wurde.

Doch das Theater ist kein Selbstzweck. „Die Gruppe ist eine Initiative von mir. Durch das Schauspielen können die Schüler wichtige Schlüsselqualifikationen üben“, verrät Pagel. „Die Schüler lernen im Rampenlicht zu stehen, auf ungewohnte Situationen zu reagieren und entwickeln Selbstvertrauen – alles wichtig für das spätere Berufsleben“, meinte der engagierte Pädagoge.

Alles läuft außerhalb des Unterrichts, Noten gibt es keine, das Engagement ist nicht versetzungsrelevant. Die Schüler haben ihre Freizeit geopfert und das auch noch am Wochenende, lobt Pagel seine Schüler. „Es ist ein Stück zum Verlieben. Man wird verzaubert, erklärt „Petruchio“, alias Sergej Maier. Er hat die Mammutrolle in der Komödie übernommen und viel Text gelernt. Doch jeder Satz sitzt bei dem Realschüler. Mal wird Deutsch, dann Russisch und auch Italienisch gesprochen. Für die südländische Sprache sorgt als Mädchen Marcella Fassio.

„Wir beziehen das Publikum in unser Stück mit ein,“ betonte Julia Bengard, eine der beiden Katharinas. Die Zuschauer sollen sich überraschen lassen. In der Pause gibt es das „selbstgebraute Shakes-Bier“. Insgesamt zwölf Schülerinnen und Schüler wagen sich auf die Bühne: Emma, Julia, Sergej, Lisa, Jasmin, Christoph, Lars, Nils, Lukas, Pascal und Marcella. Selten musste Rainer Pagel seine Schüler an die Hand nehmen. Wenn es stockt, sorgt Souffleuse Ann-Christin Pohl für zügigen Fortgang.

Eines ist sicher: Der Besuch einer Aufführung kann wärmstens empfohlen werden. Die Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf bei der Schule, beim ganzen Ensemble sowie an der Abendkasse.