BARßEL - Steht heute ein Hochzeitsfest an, ist oft die größte Sorge, ob das Wetter mitspielt oder der Catering-Service pünktlich das Essen liefert. Schwer vorstellen kann man sich dagegen, wie es sein muss, den Tag, der doch der schönste im Leben sein soll, mitten in einem Weltkrieg zu feiern.

Johannes Schipper (91) und seine Frau Margaretha (86) haben diese Erfahrung am 30. Juli 1943 gemacht. Und sind seitdem 65 Jahre verheiratet. Heute feiern sie nun ihre Eiserne Hochzeit – ein nicht alltägliches Jubiläum zu dem auch Bundespräsident Horst Köhler schon schriftlich gratulierte.

Damals vor 65 Jahren war es ein heißer Tag und wegen des drohenden Fliegeralarms musste das Hochzeitspaar morgens um 7.15 Uhr in der Kirche sein. „Wir haben den ganzen Tag im Familienkreis gefeiert“, erinnert sich Margaretha Schipper. Bis spät in die Nacht habe man zusammengesessen. Johannes Schipper hatte für das Fest drei Tage Urlaub. „Da denkt man natürlich: Hoffentlich sehen wir uns noch mal wieder“, sagt die Jubilarin heute.

Kennen gelernt hatten sich die beiden in unbeschwerteren Zeiten. Die Mutter von Johannes Schipper kam aus Barßelermoor. Das Elternhaus von Margaretha Esders steht in Barßel. Und bei einen Besuch der Tante sah Johannes Schipper seine zukünftige Frau vorbeilaufen. „Die hat schon einen Freund“, erklärte die Tante dem jungen Mann. Doch das schreckte ihn nicht. Fünf Jahre kannten sie sich, bevor es zum Traualtar ging.

Die Kriegswirren forderten auch nach Hochzeit das frisch vermählte Paar. Johannes Schipper nahm am Polen-, Frankreich- und Russlandfeldzug teil. Am 17. September, seinem Geburtstag, kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft Heim. Margaretha Schipper gebar die erste Tochter im Luftschutzbunker.

„Wir haben Höhen und Tiefen mitgemacht“, sagt die Jubilarin. Das habe ihre Beziehung auch stark gemacht. Johannes Schipper begann nach dem Krieg in der Ziegelei in Varel und arbeitete danach auf verschiedenen Baustellen. Nach Feierabend wurde das Haus an der Westmarkstraße gebaut. Seine Frau trug mit Torfstechen und Gartenarbeit zum Lebensunterhalt bei. Später fanden sie Entspannung beim Schwimmen, Radfahren und Bosseln. Neben den vier Kinder feiern sechs Enkel und neun Urenkel das Jubiläum mit Johannes und Margaretha Schipper.