BARßEL - „In der Kirchengeschichte ist so etwas natürlich schon etliche Male vorgekommen, aber im Offizialatsbezirk Oldenburg ist das erst der zweite Fall in den letzten fünf Jahren“, kommentiert Peter Waschinski, Sprecher des Offizialats in Vechta, den Amtsverzicht von Pfarrer Wolfgang Pille. „Wir haben aber vollstes Verständnis für diesen Schritt“, so Waschinski.

Wolfgang Pille hatte sein Amt in der Kirchengemeinde St. Ansgar Barßel, Elisabethfehn und Harkebrügge überraschend und nach nur einem halben Jahr abgegeben, weil er sich zu einer Frau hingezogen fühlt und nun mit dieser eine Beziehung eingehen möchte (NWZ berichtete). Als Priester, der dem Zölibat unterliegt und damit zur Enthaltsamkeit verpflichtet ist, wäre Pille dies verwehrt geblieben.

In seiner ehemaligen Gemeinde sorgt dieser Entschluss für Betroffenheit, gleichwohl aber auch für menschliches Verständnis. „Für unsere Pfarrgemeinde, unser Seelsorgeteam und auch für mich persönlich ist dies ein schwerer Schlag“, erklärt die Barßeler Pastoralreferentin Alexandra Imholte voller Bedauern.

Sie habe Wolfgang Pille sehr geschätzt. Sein Ausscheiden aus dem Priesteramt hinterlasse in der Gemeinde eine große Lücke. „Seit seiner Einführung als Pfarrer war eine Aufbruchstimmung zu erleben. Nicht zu wissen, wie es weitergeht, macht es fast unmöglich, diese positive Stimmung aufrecht zu erhalten“, blickt Alexandra Imholte mit Skepsis in die Zukunft.

Auch Klaus Claassen, Seelsorgeratsvorsitzender der Pfarrei St. Ansgar, spricht in den höchsten Tönen von Pille: „Man konnte spüren, dass er ein ,Vollblutpriester’ ist – oder wie man jetzt sagen muss – war.“ Wie schwer dem Pfarrer die Entscheidung gefallen sein muss, kann Claassen indes nur erahnen. „Über Monate hinweg mit einer inneren Zerrissenheit zu leben, macht es einfach notwendig, eine wie auch immer geartete Entscheidung zu treffen“, versucht er sich in die missliche Lage des Geistlichen hineinzuversetzen.

Fragen zur momentanen Gefühlslage von Wolfgang Pille können derzeit nicht beantwortet werden. Er habe Barßel bereits mit unbekanntem Ziel verlassen und sei für niemanden zu sprechen, wie aus der Gemeinde zu erfahren war.

Eine andere Frage, die nun zu klären sein wird, ist die nach seiner Nachfolge. Offizialatsrat Bernd Winter dazu: „Ich verspreche, dass wir alles tun werden, um möglichst schnell einen neuen, guten Pfarrer für die Kirchengemeinde St. Ansgar zu finden.“

Das Offizialat wolle kurzfristig einen Priester als Unterstützung für die örtliche Seelsorge entsenden, so Winter. Er bittet um Nachsicht, dass vorübergehend für die Gottesdienste und die Seelsorge nur eine Übergangslösung angeboten werden könne.