BARßEL - Es ist ein wunderschönes, ein romantisches Bild: Unter vollen Segeln läuft die 110 Jahre alte Tjalk „Angela von Barßel“ in den bunten Hafen von Barßel ein. Seemannslieder klingen vom Segelschiff über das Wasser. Man fühlt sich in die große Zeit der Windjammer zurückversetzt. Und so mancher an Land bekommt feuchte Augen, wenn das schwermütige „Rolling home“ erklingt. Es sind die Männer vom Shanty-Chor Barßel, die vom Schiff her die alten Seemannslieder vortragen. Diese Shanties sangen einst die Seeleute der Segelschiffe bei ihrer schweren Decksarbeit. Sie handeln von Heimweh, von der Braut, die zu Hause wartet, aber auch von Fässern mit Rum und Hafenmädchen.
Unterhaltung pur – bietet die Crew unter Leitung von Margit Dierksen nun schon seit mehr als 30 Jahren. Auf der Generalversammlung im neuen Domizil beim Fischereiverein wurde nun Bilanz des abgelaufenen Gesangsjahres gezogen. Insgesamt hatte Schriftführer Egon Schillemat in seinem Logbuch 23 öffentliche Auftritte vermerkt. Neben dem Auftritt beim Hafenfest, zählte die Darbietung im C-Port beim Besuch des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulf zum Höhepunkt des Vereinsjahres.
Doch in den vergangenen Monaten geriet das Vereinsschiff in stürmische See. Sowohl der 1. als auch der 2. Vorsitzende warfen mitten in der Saison kurzerhand das „Handtuch“ und gingen von Deck. So waren Neuwahlen zum Vorstand fällig.
Zum Vorsitzenden wurde Heiner Siemer gewählt, der dem Chor vor Jahren schon mal leitete. Sein Stellvertreter ist Werner Reckling. Als Schriftführer wurde Egon Schillemat und als Kassenwart Konrad Schulte bestätigt. Sein Ruf als unterhaltsame und stimmungsvolle Gesangstruppe hat die Grenzen der norddeutschen Region längst überschritten.
Der Chor segelt schon seit der Gründung durch den Ehrenvorsitzenden Gerd Sandstede im Aufwind. Auftritte in Rundfunk und Fernsehen, Schallplattenaufnahmen, Einladungen zu Konzerten bis hin zur Reise nach Moskaus haben den urwüchsigen und volkstümlichen Charakter des 32 Männer starken Chores nicht verfälschen können. Doch das mit dem Männerchor stimmt nicht mehr. Mehrere „Seute Deerns“ tummeln sich mittlerweile im Chor. Bunte Vielfalt auch im Repertoire des Chores. Weit über 100 Lieder, Original-Shanties mit verschiedenen Vorsängern, Stimmungssongs, vierstimmig vorgetragen, und gesangliche „Döntjes“ von der Waterkant reichen für ein mehrstündigen Programm.
Wer die „Barßeler Jungs“ in ihren weißen Matrosenblusen, blauen Mützen und roten Halstüchern anheuern will, tut gut daran, hier eine Auswahl zu treffen und den Auftrittswunsch rechtzeitig anmelden. In der Truppe finden sich aber nicht nur Kapitäne, Skipper und Seeleute wieder. Die ganze Palette der heimischen Berufe findet sich im Chor wieder. Allerdings gab es beim Shanty-Chor Barßel nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen.
Bei so einer rauen Bordsmannschaft mit gestandenen Seeleuten, weht schon mal ein kräftiger böiger Wind über das Deck des Vereinsschiffes. Doch hinter der rauen Schale der Sängern steckt auch hin und wieder ein weicher Kern. So fand man sich stets wieder zu einer singenden Crew zusammen und glitt in seichtes Fahrwasser. Für eine 25jährige Mitgliedschaft im Chor wurden Friedhelm Baumhöfer und Klaus Wegener geehrt.
Als nächste Aktivität steht am 26. April in der Aula ein Konzert mit mehreren Chören an. Dabei aus dem Schwarzwald der Chor Chorus Delicti.
