BARßEL - Vergangenheitsbewältigung: Die Schüler der Klasse 7b der Realschule Barßel haben zusammen mit ihrem Klassenlehrer Rainer Pagel das Leben des ehemals in Barßel lebenden Juden Alexander Hess dokumentiert. Rund sechs Monate gingen sie auf Spurensuche und wurden an vielen Stellen fündig. Dokumentiert wird die Recherche in einer 46-seitigen Schrift mit dem Titel „Alexander Hess – Eine Spurensuche“.

Im August 1942 deportiert

Alexander Hess lebte in Barßel, ehe er nach Berlin verschleppt, im August 1942 nach Riga deportiert und dort am 18. August des gleichen Jahres von den Nazis ermordet wurde. Bei der Spurensuche bekamen die Realschüler überall positive Rückmeldung. Mehr noch: Viele Menschen haben geholfen, indem sie ihr Wissen, ihre Dokumente, ihre Fotos, Briefe oder Gegenstände zur Verfügung stellten. Die Dokumentation spiegelt das Schicksal eindrucksvoll wieder.

„Wir haben bei unserer Spurensuche immer wieder überlegt, ob Alexander Hess für uns ein Held ist“, so Ramona Marks. „Ja, er war ein Held. Wir nennen ihn einen Helden, weil er in seiner stillen bescheidenen Art sich immer um seine Mitmenschen gekümmert hat“, so Marks.

Die Realschüler decken in ihrer Dokumentation schonungslos auf, welcher Druck von Barßeler Nationalsozialisten auf den Juden Hess ausgeübt wurde. Er blieb in den Augen der örtlichen Nazis ein Rassejude, obwohl er zum katholischen Glauben gewechselt war. Heftig Kritik üben die Barßeler Spurensucher auch an einem Buch, das im Jahr 1962 unter dem Titel „Amtshauptmann in Cloppenburg“ erschien: Der Autor „behauptet auf Seite 81, er habe sich stets dafür eingesetzt, dass Hess nicht von der Gestapo abgeholt wird. Doch in Wirklichkeit war der damalige Landrat Mitglied der NSDAP und hat nichts riskiert um Hess zu retten“, so die Spurensucher. In seinem Besuch versuche er zu beschönigen.

„Ich finde es erschreckend, dass die Nazis bei Alexander Hess eigentlich alle Menschenrechte gebrochen haben! Das, was sie getan haben, ist heute nach unseren Gesetzen verboten. Ich finde es einfach ziemlich gemein, was sie Alexander Hess antaten“, sagt Sabrina Hibben, aus der 7b.

Mahnung für heutige Zeit

Das Schicksal Alexander Hess’ zeige, wie wichtig es ist, für die Verwirklichung der Menschenrecht zu sorgen, so Jana Kolhoff. „Insgesamt freut es mich, dass die Schüler über mehrere Monate hinweg mit sehr viel zusätzlicher Arbeit an einem gemeinsam Produkt gearbeitet haben“, sagt Klassenlehrer Rainer Pagel. Die Truppe wisse, dass sie dazu beigetragen hat, dass das Schicksal von Alexander Hess in Barßel nicht in Vergessenheit geraden wird.

Der Stolperstein für Alexander Hess wird voraussichtlich im Juli in der Hafenstraße vor dem damalige Wohnhaus vom Künstler Gunter Demnig verlegt.

Nicht ganz entsprach die Gemeinde Barßel den Wünschen der Realschüler, die Hafenstraße in „Alexander-Hess-Straße“ umzubenennen. „Das wäre für die Anlieger ein finanziell zu hoher Aufwand gewesen“, so Bürgermeister Bernd Schulte. Doch der Bürgermeister honorierte die hervorragende Projektarbeit, indem er unter dem Straßenschild das Indexschild „In dieser Straße wohnte unser jüdischer Mitbürger Alexander Hess, 1872 – 1942“ genehmigte und jetzt zusammen mit den Spurensuchern anbrachte.