BARßEL - „Ich werde derzeit oft auf den Fall Williamson angesprochen. Da ist im Vatikan wohl einiges unglücklich gelaufen“, umschreibt Pfarrer Wolfgang Pille von der Kirchengemeinde St. Cosmas und Damian die Reaktion in seiner Gemeinde hinsichtlich der Vorgänge im Vatikan im „Fall Williamson“. Für ihn als katholischen Glaubensbruder dürfe es eine Holocaust-Leugnung und erst recht keine Rehabilitierung des exkommunizierten britischen Bischofs Richard Williamson und drei weiterer Bischöfe der ultrakonservativen und antisemitischen Piusbruderschaft geben. „Die Kirche muss sich deutlich von nationalsozialistischen und antisemitischen Tendenzen distanzieren“, fordert Pfarrer Pille.
Papst schlecht beraten
Nach Einschätzung des Barßeler Geistlichen sei der Papst wohl schlecht beraten worden, indem er zunächst der Rehabilitierung der antisemitischen Bischöfe zustimmte. „Jetzt bin ich erleichtert, dass der Vatikan von Williamson den Widerruf fordert“, sagt Pille. Bedauerlich findet er, dass die Vorgänge um die antisemitischen Bischöfe wichtige Projekte der katholischen Kirche im Oldenburger Land, wie das Projekt „Würdenträger“, überschatten. Bei dem Vorhaben werden von Gemeinden und Personen Aktionen gestartet, die sich gegen rechtsradikale und fremdenfeindliche Tendenzen vor Ort wenden.
Gefahr der Abspaltung
Der Barßeler Hans Geesen warnt jedoch davor, die Abtrünnigen außen vor zu lassen. „Sonst besteht die Gefahr der Abspaltung“, so Geesen. Der Papst müsse konkrete Anweisungen an die exkommunizierten Bischöfe geben, wie sie sich zu verhalten haben, so seine Forderung. „Eigentlich brauchen der Williamson und die anderen Piusbrüder eine Nachschulung im Vatikan“, lächelt der Barßeler.
Als schlecht beraten von seinen Kurienkardinälen sieht Klaus Claassen aus Harkebrügge Papst Benedikt XVI. im Fall Williamson. „Mit den Vorgängen im Vatikan wurde vieles, was auf der Ökumene auf den Weg gebracht wurde, mit einem Federstrich vom Tisch gefegt“, bedauert der Vorsitzende des Seelsorgerates in der Kirchengemeinde St. Cosmas und Damian. Insgesamt habe ihn die anfängliche Haltung des Papstes mit der angestrebten Rehabilitierung der umstrittenen Geistlichen überrascht, zumal Benedikt in Kirchenkreisen als einer der glänzendsten Kirchentheoretiker bekannt sei.
Kritik geäußert
Claassen hätte sich gewünscht, dass der Vatikan im Vorhinein eine schriftliche Erklärung der Abtrünnigen verlangt, indem diese sich klar und eindeutig von ihren früheren antisemitischen Äußerungen distanzieren. „Wir als katholische Christen sollten uns gegenüber den Juden verpflichtet fühlen. Holocaust-Leugner schaden der Kirche und konterkarieren das ehrenamtliche Engagement vor Ort“, so der Vorsitzende des Seelsorgerates.
Überrascht vom Verhalten des Vatikans ist Wiebke Perzul, Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde in Elisabethfehn. „Antisemitismus und Christentum passen nicht zusammen“, betont die Evangelin. Für sie bedeutet der „Fall Williamson“ einen Rückschritt in den ökumenischen Beziehungen beider Kirchen.
