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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Baskenmütze und Bauernhemd

15.01.2005

ME Der Schriftsteller aus Nicaragua ist bis heute seinen kommunistischen Idealen treu geblieben. Bekannt wurde er als Kulturminister und Vatikan-Streiter.

Von Klaus Blume MEXIKO-STADT - Die Revolution der Sandinisten machte Ernesto Cardenal vor rund einem Vierteljahrhundert berühmt. Nach dem Sturz des Diktators Anastasio Somoza 1979 wurde der Dichter und Priester in Nicaragua Kulturminister. Als solcher scheute der Jesuit auch vor einer Konfrontation mit Papst Johannes Paul II. nicht zurück.

Inzwischen ist es um den Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels von 1980 ruhiger geworden. Baskenmütze, Bauernhemd und Sandalen sind noch immer seine Markenzeichen. Am nächsten Donnerstag wird Ernesto Cardenal 80 Jahre alt.

Cardenal wurde in einer wohlhabenden Familie in Granada am großen Nicaraguasee geboren. Er ging auf ein Jesuitenkolleg und studierte später Philosophie, Literaturwissenschaft und Theologie in Mexiko, in den USA und in Kolumbien. Schon als Schüler schrieb er seine ersten Liebesgedichte. 1957 trat er in ein Trappistenkloster in den USA ein, gab das Noviziat aber nach zwei Jahren wieder auf. 1965 wurde Cardenal in Managua zum Priester geweiht. Schon ein Jahrzehnt zuvor hatte er sich dem Widerstand gegen die Familiendiktatur der Somozas angeschlossen.

Für den Priester gab es keinen Widerspruch zwischen christlichem Heilsversprechen und marxistischem Kollektivismus – er schien vielmehr das Reich Gottes im irdischen Kommunismus verwirklicht zu sehen. 1966 hatte er auf einer Insel des Solentiname-Archipels im Nicaraguasee eine an urchristlichen Vorstellungen ausgerichtete Kommune eingerichtet und darüber in seinem „Evangelium der Bauern von Sonlentiname“ berichtet. 1970 besuchte er zum ersten Mal für mehrere Monate Kuba und veröffentlichte danach sein „Kubanisches Tagebuch“ – eine naive Verklärung der totalitären Diktatur. Seinen kommunistischen Idealen ist Cardenal bis heute treu geblieben, auch wenn er 1994 mit den Sandinisten brach.

Unvergessen ist der Eklat beim Papstbesuch 1983 in Managua, als Anhänger der Sandinisten Johannes Paul II. während der Predigt niederschrien und Cardenal vom römischen Kirchenoberhaupt öffentlich gemaßregelt wurde. 1985 suspendierte ihn der Vatikan von der Ausübung des Priesteramtes. Politisch blieb Cardenal in der Sandinistenfront einflusslos und wurde von Kritikern als pures Aushängeschild der „Comandantes“ betrachtet. Unverdrossen warb er auf Auslandsreisen, die ihn oft nach Deutschland führten, für sein Land.

Zu den Frühwerken Cardenals zählen die „Salmos“, die in etwa 20 Sprachen übersetzt wurden, und seine „Oración por Marilyn Monroe“ (Gebet für Marilyn Monroe). Anfang der 90er-Jahre sorgte er mit dem großen Gedichtzyklus „Cántico Cósmico“ für Furore.

Der rüstige Mann denkt auch zum 80. Geburtstag noch nicht an den Ruhestand. In Managua betreibt Cardenal inzwischen eine Galerie, in der er auch eigene Plastiken verkauft.

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