Bremen - Der Bildhauer Gerhard Marcks gehörte zu den ersten Lehrern am Bauhaus. Doch selbst Experten haben dieser wichtigen Zeit in seinem Künstlerleben bisher leider kaum Beachtung geschenkt. Das will nun die Ausstellung „Wege aus dem Bauhaus“ am Bremer Gerhard-Marcks-Haus ändern. Sie zeigt anhand von rund 150 Exponaten, wie Marcks (er lebte von 1889 bis 1981) und seine Kollegen an der berühmten Kunstschule in Weimar arbeiteten, gemeinsam Ideen entwickelten und wie vielfältig ihre Ansätze waren.
So trifft der Besucher gleich im ersten Raum auf eine Gegenüberstellung von zwei Plastiken, die das ganze Spektrum des Bauhauses veranschaulichen: Marcks’ figürliche Holzskulptur „Jüngling“ und Oskar Schlemmers „Abstrakte Figur“.
Mit 21 Künstlern
Marcks kam 1919 auf Einladung seines Kindheitsfreundes Walter Gropius ans Bauhaus, um dort eine Keramikwerkstatt aufzubauen. Marcks war ein Verfechter der Idee, die Kunst durch das Handwerk zu erneuern. Dennoch habe er die industrielle Fertigung nicht per se abgelehnt, sagt Museumsdirektor Arie Hartog. „Marcks war derjenige, der dafür gesorgt hat, dass seine Studenten die Industrie kennenlernen.“
Anlass für die Ausstellung ist das 100-jährige Bestehen des Bauhauses im Jahr 2019. Anhand von 21 Künstlern und über 150 Exponaten (Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen, Keramiken, Metallarbeiten und Möbel) zeigt die Ausstellung in Bremen, wie Ideen am Weimarer Bauhaus entstanden, die Vielfalt der Ansätze nebeneinander bestehen konnte und wie sie sich von dort aus weiterentwickelten. Als sich dann 1923 der Kurs der Schule in Richtung von Industriedesign änderte, gehörte Marcks allerdings wieder zu den schärfsten Kritikern der Entwicklung.
Zwar lehnte er Design nicht grundsätzlich ab, aber die Idee, dass jeder Mensch sich individuell entwickeln konnte, war ihm wichtiger als eine auf die Bedürfnisse der Industrie ausgerichtete Ausbildung.
Höchst modern
Diese Haltung war antiformalistisch, und da das Bauhaus als ganz modern galt, schien Marcks konservativ zu sein. Und genau das wäre heute neu zu durchdenken. Denn aus einer anderen Perspektive heraus gesehen, blieb diese Haltung höchst modern, da sie Leben, Arbeit und auch Ästhetik über die Auseinandersetzung mit dem Gegenstand verband.
