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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Bausteine und Bambusstäbe

08.02.2016

Oldenburg Erschreckend bekannt sind die Bilder auf der Bühne: Hier die wohlhabenden Anzugträger, dort die Menschen, denen die Armut ins Gesicht geschrieben steht und die schon allein darum nicht so recht in unsere Konsumgesellschaft hineinpassen mögen.

„Satyagraha“ (übersetzt etwa: die Kraft der Wahrheit), die Gandhi-Oper des US-amerikanischen Komponisten Philip Glass von 1980, feierte am Sonnabend Premiere im Oldenburgischen Staatstheater.

Dieses Stück ist bei weitem keine leichte Kost: Man orientiert sich an historischen Begebenheiten aus Mahatma Gandhis Zeit in Südafrika. Konfrontiert mit Rassismus entwickelte dieser – immer geleitet vom Ideal der „Satyagraha“ – den gewaltlosen Protest als politisches Instrument gegen Ungerechtigkeit und für Freiheit.

Die Oper begibt sich in Oldenburg mitten hinein, ohne dabei eine Handlung nachzuzeichnen. Stattdessen wird hier nichts Geringeres verhandelt als so grundlegende Fragen wie „Was ist der richtige Weg?“ oder „Wie soll ich handeln?“.

Höchste Konzentration

Das Libretto basiert auf Texten der Bhagavad Gita, einer zentralen religiösen Schrift des Hinduismus. Gesungen wird auf Sanskrit. Für die Sänger aus Opern- und Extrachor (Leitung: Thomas Bönisch) sowie das Solistenensemble war dies vorab sicher eine der größeren Herausforderungen des Werks.

Eine zweite, die Sänger wie Orchestermusiker gleichermaßen betrifft, ist die Rhythmik. Glass gilt als Mitbegründer der Minimal Music. Sie basiert auf der ständigen Wiederholung und Veränderung kleiner Melodie-, Rhythmus- und Harmoniebausteine, die so in neue Komplexe überführt werden. Eben diese kleinsten Änderungen ähnlich klingender Elemente verlangen höchste Konzentration – vor allem von Dirigent Carlos Vázquez, der alles sicher zusammenhält.

Glass’ Musik wirkt über Stimmungen. Dabei setzt er schlichten Orchesterklang gegen einen stimmmächtigen Opernchor. Gewaltige Spannungen entstehen so, gleichzeitig auch meditative Momente.

Nicht immer scheint diese Musik so recht mit dem typischen Opernbelcanto zusammenzufinden. Mit angenehmer Schlankheit der Stimme verleiht dabei Timothy Oliver, Ensemblemitglied der Semperoper Dresden, der Figur Gandhis lyrische Sanftheit und schlichte Ausdrucksstärke. Das restliche Ensemble stellt Personen aus Gandhis Umfeld dar.

Prinz mit Ausdruck

Melanie Langs samtiges Timbre begeistert ebenso wie Valda Wilsons warmer Schmelz oder Anna Avakians Stimmgewalt. Hagar Sharvit, Paul Brady und Tomasz Wija komplettieren die Figuren um Gandhi. Ill-Hoon Choung und Alexander Murashov verleihen den mythologischen Figuren Lord Krishna und Prinz Arjuna Ausdrucksstärke.

In der von Anne Neuser gestalteten Bühnenlandschaft aus Bambusstäben lässt die fast zweistündige Inszenierung unter der Regie von Andrea Schwalbach viel Raum für die Entfaltung der Musik und nicht zuletzt natürlich auch für die eigenen Reflexionen zum Thema.

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