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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Gold und noch mehr Gold

07.04.2018

Bayreuth Dass in einer Stadt mit etwa 73 000 Einwohnern gleich zwei Opernhäuser stehen, wäre schon ungewöhnlich genug. In Bayreuth sind es sogar noch zwei weltweit einzigartige Häuser: Das Festspielhaus, das sich Richard Wagner eigens für seine Opern und seine Festspielidee bauen ließ – und das Markgräfliche Opernhaus, ein Barockjuwel, das auf beeindruckende Art und Weise einen Eindruck von der Fest- und Musikkultur des 18. Jahrhunderts gibt.

2012 wurde das Opernhaus in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen – und gleich danach geschlossen. Sechs Jahre lang sanierten Experten in unzähligen Arbeitsstunden das Denkmal, 30 Millionen Euro ließ sich das der Freistaat Bayern kosten. Die Begründung der Unesco lautete 2012: „Das Markgräfliche Opernhaus ist das weltweit bedeutendste und besterhaltene Beispiel barocker Theaterarchitektur.“

Nun wird die Wiedereröffnung gefeiert: Zu hören und zu sehen ist am 12. April dann jene Oper, die auch bei der Eröffnung im Jahr 1748 aufgeführt worden war – „Artaserse“ von Johann Adolph Hasse.

Dabei könnten Bayreuths Opernhäuser von Weltrang nicht unterschiedlicher sein. In Wagners Festspielhaus auf einer Anhöhe am Stadtrand soll es allein um Musik und Gesang gehen, die Akustik gilt als weltweit einmalig, die Ausstattung dagegen als karg, wenn sich im Sommer die Festspielgäste am Grünen Hügel tummeln. Nichts soll ablenken von Wagners Werk. In der Innenstadt dagegen barocke Opulenz: Gold, allegorische Figuren, umrankte Säulen, noch mehr Gold.

Errichten ließ das Opernhaus die kunstsinnige Markgräfin Wilhelmine (1709– 1758). Die preußische Prinzessin machte aus der Provinzstadt Bayreuth ein Zen­trum für Kunst und Kultur. Anlässlich der Hochzeit ihrer einzigen Tochter Friederike Elisabeth Sophie mit Herzog Carl Eugen von Württemberg entstand in Bayreuth ein Opernhaus, das den Vergleich mit den Metropolen nicht zu scheuen brauchte.

Die Holzkonstruktion überdauerte die Jahrhunderte. Weder Feuer noch der Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs noch die Umbauwut späterer Generationen konnten ihr etwas anhaben. Und so liefert das Markgräfliche Opernhaus der Nachwelt ein einzigartiges Zeugnis der barocken Herrschaftskultur.

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