Nordenham - Von dem Gedanken, eine Morbus-Bechterew-Selbsthilfegruppe auf die Beine zu stellen, war Hans-Dieter Wiegers anfangs nicht unbedingt begeistert. Er dachte sich: Wenn es darum geht, sich gegenseitig über die Krankheit auszuheulen, dann ohne mich. Aber Trübsal blasen ist nicht sein Ding. Und darum geht es auch nicht in der Selbsthilfegruppe, die Hans-Dieter Wiegers 1990 zusammen mit sechs weiteren Betroffenen gegründet hat. An diesem Freitag feiert die Gruppe in den Weserterrassen ihr 25-jähriges Bestehen mit einem Festakt für Mitglieder. Dazu sind auch Bürgermeister Hans Francksen und der Vorsitzende des Landesverbandes der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew, Rüdiger Schmidt, eingeladen.
Die Geburtsstunde der Selbsthilfegruppe war am 19. April 1990. Von den sieben Gründungsmitgliedern sind noch immer vier dabei. Hans-Dieter Wiegers ist Sprecher der Gruppe; Uwe Schicke, der ein halbes Jahr nach ihrer Gründung dazugekommen war, sein Stellvertreter. Beide sind zudem im Vorstand des Landesverbandes vertreten.
30 Mitglieder
Der Nordenhamer Gruppe gehören inzwischen 30 Mitglieder an. Im Mittelpunkt steht die Organisation von Sportangeboten, denn durch gezielte Bewegungs- und Entspannungsübungen kann der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden. In Kombination mit schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten können die Erkrankten bis ins hohe Alter ihre Beweglichkeit erhalten.
Die Selbsthilfegruppe ist froh, dass sie in der Turnhalle Atens ein Zuhause gefunden hat. Die Angebote finden mittwochs statt. Von 18.30 bis 19.15 Uhr steht Rehabilitationssport auf dem Programm, von 19.15 Uhr bis 20 Uhr wird Volleyball gespielt. Montags treffen sich die Mitglieder zum Nordic Walking. Darüber hinaus werden Gruppentreffen, Ausflüge, Fahrradtouren und Feste organisiert.
Die drei B spielen in der Selbsthilfegruppe eine große Rolle: Bewegung, Beratung und Begegnung. „Der Austausch von Fachinformationen ist wichtig für uns“, sagt Hans-Dieter Wiegers.
Mit Krankheit leben
Der Sprecher der Gruppe und sein Stellvertreter haben gelernt, mit ihrer Krankheit zu leben und sich ihren Lebensmut trotz der Einschränkungen zu bewahren. Sie wissen, dass es in Nordenham und Umgebung viele weitere „Bechtis“ gibt, die auf sich allein gestellt sind. Und deshalb werden sie nicht müde, auf ihre Angebote und auf den „lustigen Haufen“ aufmerksam zu machen.
Hans-Dieter Wiegers übt aber auch Kritik an einer Politik, die es immer schwerer mache, Geld für die Ausübung der Arbeit zu bekommen. Allein die Rahmenvereinbarung der Krankenkassen mit den Rehasportgruppen, wonach chronisch kranken Patienten nur noch einmalig eine bestimmte Anzahl von Therapien in der Gruppe genehmigt werde, bedeute für viele Selbsthilfegruppen das finanzielle Aus. „Diese Hürden gilt es abzubauen. Wir benötigen das Geld für die Prävention, das müsste auch im Sinne der Politik und der Kranken.- und Rentenversicherer sein.“ Der größer werdende bürokratische Aufwand mache es zudem immer schwieriger, Führungspersonen für unsere Gruppen zu finden, die dann auch noch bereit sein müssen, die Arbeit ehrenamtlich zu leisten, sagt Hans-Dieter Wiegers.
