Berne - „Die Welt ist eine Bandscheibe“, hieß es am Sonnabend in der Berner Kulturmühle. Nach 15 Monaten stand John Doyle dort zum zweiten Mal mit seinem Lacherfolg auf der Bühne. Zwar war das Publikum nicht ganz so zahlreich erschienen, wie im November 2013, doch amüsiert hat es sich mindestens genauso gut über die Erkenntnisse des Amerikaners über die deutsche Offenheit in puncto Krankheiten.

Nach 23 Jahren in diesem Land fackelte der 51-Jährige nicht lange und kam in „deutscher Direktheit“ gleich zur Sache – selbst bei den intimsten Themen. Schließlich sei das eine Basis, mit der man hierzulande sogar mit Unbekannten auf der Straße sofort ins Gespräch käme.

Mit der Apothekenumschau als Lieblingslektüre fiel es Doyle nicht schwer, neben „Rücken“ auch andere Krankheiten zu thematisieren. Nach Beckenbodenübungen, wie er sie an Kölner Bushaltestellen durchführt, war der Komödiant auch gleich beim Thema „Blase“. Sicherlich nicht ahnend, dass er zum Running-Gag des Abends werden würde, outete sich Zuschauer Klaus als „Vielpinkler“, der öfter als viermal täglich die Toilette aufsucht. Und auch Pia aus dem Publikum war dank ihrer ostdeutschen Herkunft immer wieder Ziel der komödiantischen Angriffe Doyles. Doch beiden machten die lustigen Sticheleien genauso viel Spaß, wie dem Rest der Zuschauer.

Ganz aus Nordenham war ein Paar in den Süden der Wesermarsch gereist, nachdem es von dem Auftritt in der NWZ  gelesen hatte. Der Weg habe sich wirklich gelohnt, auch wenn es nicht einfach gewesen sei, die etwas zurückgelegene Kulturmühle zu finden, betonte das Paar begeistert von dem urigen Ambiente und der Show.

FKK auf Norderney, Thaimassagen, bei denen eine übergewichtige „Lee“ auf Doyles Rücken sitzend beim Komiker Todesangst aufkommen lässt oder die Unterschiede zwischen Amerikanern und Deutschen beim Saunieren, bereiteten den Zuschauern viel Vergnügen. Dass die Zugabe, zu der der Künstler auf die Bühne geklatscht wurde, etwas dürftig ausfiel, tat der allgemeinen Begeisterung keinen Abbruch.