Oldenburg/Holle - „Bis dass der Tod Euch scheidet“ – Dieses Versprechen geben sich Brautpaare seit Jahrhunderten. Eine sehr romantische Vorstellung. Aber was haben eigentlich weiße Tauben damit zu tun? Eines der ersten Bilder, das man mit Hochzeiten verbindet, ist ein Brautpaar, das Tauben zusammen in den Himmel steigen lässt. Aber was steckt eigentlich dahinter?
Tjalf und Svenja Schröder aus Holle haben es sich zur Aufgabe gemacht, Hochzeiten im Umkreis von rund 80 Kilometern für alle Anwesenden zu einem unvergesslichen Tag zu machen – sie betreiben eine Taubenzucht. Schröder hatte seine Liebe zu den Vögeln bereits im Kindesalter entdeckt. Schon da besaß er Brieftauben und trainierte voller Eifer mit ihnen.
Irgendwann unterbrach er für ein paar Jahre die Taubenzucht. Aber die Pause war nicht von langer Dauer. Denn er konnte seine Liebe zu diesen Tieren nicht vergessen. So bezog er 2007 mit seiner jetzigen Ehefrau einen Bauernhof in Holle. Schnell erinnerte er sich an sein früheres Hobby und fing – zunächst nur privat – wieder an Tauben zu halten. Was im Kleinen begann, entwickelte sich aber schnell zu etwas Großem. 2009 entschied sich das Paar schließlich, Tauben für Hochzeiten zu vermieten.
Heute zählen Schröders einen Bestand von über 200 Tauben, davon sind aber nur 40 weiß, die für Trauungen genutzt werden. Die anderen sind klassische Brieftauben, mit denen Schröder an Wettbewerben teilnimmt und regelmäßig mit ihnen trainiert.
Pro Hochzeit werden ca. zehn Tauben in die Luft gelassen. Das Prozedere läuft dann wie folgt ab: Das Brautpaar bekommt jeweils eine in die Hand. Schröders tragen anschließend ein Gedicht zum Zeichen ewiger Treue vor. Danach lassen sie dann die beiden Tauben fliegen und öffnen schließlich gemeinsam einen Korb und geben die restlichen Tiere frei. Für Schröders läuft das Geschäft gut. Pro Saison, die von April bis Oktober geht, können sie sich über 40 bis 60 Aufträge freuen.
Aber wie finden die Tauben überhaupt wieder zurück? Experten wissen: Tauben sind sehr treue Seelen. Sie sind davon angetrieben immer zu ihrem Partner, den sie sich zu Beginn der Brutzeit suchen, und zu ihren Jungen zurückzukehren. Da ist kein Weg für sie zu weit, denn sie sind wahre „Wunderwerke“. Im Schnabel verfügen sie über einen Sensor, der das Magnetfeld der Erde misst. Außerdem prägen sie sich Landschaftsmerkmale wie Flüsse oder Erhebungen ein.
Bevor sie aber ihren Weg zurückfinden, müssen sie ihre Umgebung erst einmal genau erkunden. Zudem treten sie in einem Schwarm auf, der immer auf einem Schlag Futter bekommt. Auch zu dem müssen sie immer wieder zurück. Die treuen Seelen können dafür sogar einen Strecke von bis zu 1000 Kilometern zurücklegen. Schröders Hochzeitstauben müssen aber nicht so weit fliegen, um wieder zu ihren Partnern zu kommen. Sie sind in der Regel schon nach 20 bis 30 Minuten zurück in ihren Zellen.
Nur schwer vorstellbar, dass kaum eine verloren geht. Ab und zu kommt es jedoch vor, dass sich ein Täubchen verfliegt. Aber auch das ist kein Problem, denn sie tragen zwei Ringe, die ihre Zugehörigkeit kennzeichnen. Und so kehren sie immer zu ihrem Turteltäubchen zurück.
Bis dass der Tod sie scheidet...
