Friesoythe - „Ich wollte nie Mainstream machen und nie in der Boulevardpresse stehen, sondern mit richtig guten Leuten richtig gut arbeiten.“ Ihren Vorsatz hat Eva Mattes schon in jungen Jahren verwirklichen können. Mit ausgewählten Episoden aus ihrer bewegten Autobiografie nahm die Schauspielerin und Sängerin am Dienstagabend im Forum am Hansaplatz in Friesoythe ihr Publikum mit auf einen spannenden Streifzug durch 40 Jahre deutsche Theater- und Filmgeschichte. Dabei wurde sie am Klavier begleitet von Irmgard Schleier, mit der Mattes eng verbunden ist.
Die als „Tatort“-Kommissarin Klara Blum bekannte Schauspielerin gab auf ihrer Tournee auf Einladung des Kulturkreises Bösel-Friesoythe-Saterland in der Eisenstadt ihr Gastspiel. Mit im Gepäck hatte sie ein paar der schönsten Songs und Chansons von Marlene Dietrich, Hans Albers, Friedrich Hollaender oder Kurt Weill. Außerdem wurden italienische Volkslieder eingestreut. Dabei erwies sich die 58-Jährige als profilierte Chansonsängerin.
In ihrem neuen Programm erzählt Mattes aus ihrem Leben, von Begegnungen mit Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog, Peter Zadek, Ulrich Wildgruber und anderen Größen aus Film und Theater.
Eva Mattes hat nicht nur eine wunderbare Stimme, sie hat auch einen herrlichen Sinn für Humor und Selbstironie. Dass sie auch mitreißend und unterhaltsam schreiben kann, zeigt sie in ihrer Biografie „Wir können nicht alle wie Berta sein“ – ein lebendiges Erstlingswerk, das einen Blick in die Erinnerungen einer großen deutschen Schauspielerin und damit eine spannende Zeitreise in die deutsche Theater- und Fernsehgeschichte bietet.
Natürlich hat sie mit vielen Berühmtheiten vor und hinter der Kamera zusammengearbeitet. Werden bekannte Zeitgenossen erwähnt, sind sie verknüpft mit persönlichen Erinnerungen, individuellen Geschehnissen oder Entwicklungen. Eva Mattes ging auch den Theaterskandal bezüglich der archaisch-brutalen „Othello“-Inszenierung mit Ulrich Wildgruber an, wo sie die Desdemona spielte und das Publikum provozierte.
Mit Irmgard Schleier veranstaltete sie Kulturbaustellen, kritische Revuen und Friedensgalas. Einmal habe sie sogar versucht, Marlene Dietrich einzuladen. Sie habe mit ihr telefoniert, sie jedoch nicht zu einem Verlassen ihrer Pariser Wohnung bewegen können, erzählte Mattes, die mit dem Marlene-Song „An der Kaserne, draußen vor dem Tor...“ – und das mehrsprachig vorgetragen – die Herzen der Besucher berührte. Mattes gelang es beeindruckend, ihren ganz eigenen Ton zu finden, eine eigene Stimme, die einfach mitreißt – auch wenn Mattes sich ein wenig echauffierte, wenn es mal im Forum polterte oder Blitze den Raum erhellten.
Nach dem Auftritt nahm sich Mattes noch ausreichend Zeit, ihr Buch zu signieren.
