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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Begeisterung nach Momenten der Stille

15.11.2005

OLDENBURG Vor der Totenmesse gab es Lieder von Mahler und Strauss. Das Programm war gut durchdacht.

Von Horst Hollmann OLDENBURG - Sonderlich fromm ist Johannes Brahms nicht gewesen. Aber er las täglich in der Bibel. Seiner Kenntnis der metaphernreichsten Texte zu Tod und Erlösung verdankt die Musikwelt die tröstlichste aller Totenmessen: ein Deutsches Requiem. Dass dieses Werk beinahe in Oldenburg uraufgeführt worden wäre, dient in St. Lamberti stets als Ansporn. Und dieser führte diesmal unter Leitung von Tobias Götting zu einer tief bewegenden Interpretation dieser November-Musik. Alles Leben ist vergänglich – aber nicht sinnlos, lautete ihre Botschaft.

Der Brahms-Freund Albert Dietrich verhinderte 1866 das für Oldenburg Epoche machende Ereignis mit der ehrlichen Mitteilung: ,,Unseren Singverein sehe ich leider nicht in der Lage, das anspruchsvolle Werk in der Kürze der Zeit angemessen einzustudieren und aufzuführen.“ So wurde 1868 Bremen die Ehre zuteil. Und da bestätigte Brahms Oldenburgs Hofkapellmeister nachträglich: ,,In Bremen geht man doch bedächtiger zum hohen A hinauf als etwa in Wien.“

Mit seinem Lambertichor hat Götting derweil eine Höhe erreicht, die des Komponisten Bedenken (,,Mein Werk ist doch recht schwer“) zerstreut. Wenn die Celli und Bratschen des tonschön in alter tieferer Stimmung spielenden Orchesters Pro Musica Sacra in klar konturiertem Piano einsetzen, dann fügen sich die Chorstimmen ebenso schlicht piano ein. Dass der Chor sich nicht, wie oft erlebt, zu einem Säusel-Pianissimo verleiten lässt, spricht für große Sorgfalt. Dann schreitet er weit ausgreifend durch die Fugen und verbreitet die Freude, die hohen Töne mit Schneid und weitgehend ohne Schärfe anzusteuern. Und in der erregten Anrufung ,,Hölle, wo ist dein Sieg!“ strahlt das C-Dur in Stimmen und Instrumenten so gleißend wie beim Einbruch des Lichtes in Haydns ,,Schöpfung“.

Bei einer solch klaren Linie umschiffen Dirigent, Musiker, Choristen und die Solisten (Britta Stallmeister/Sopran und Sebastian Noack/Bariton) alle heiklen Ausdrucksklippen. Brahms’ Requiem malt keinen Tag der Abrechnung und des Entsetzens, sondern spendet Trost den Hinterbliebenen. Götting nimmt der musikalischen Verbindung aus statischen altertümlichen Elementen und dramatischer privater Expressivität jedes aufgesetzt Monumentale oder Romantische.

Gleichwohl bereitet Götting dem Trauernden keinen leichten Gang. Die Pauken-Ostinati kommen ebenso bedrohlich wie die Klage des zupackenden Baritons. Der wunderschön natürlich wirkende Sopran braucht da schon Kraft, um nach dem ,,Ihr habt nun Traurigkeit“ die Gläubigen aufzurichten. Ähnlich von Niedersinken und Aufstehen hatten die Solisten vorweg in Orchesterliedern von Mahler und Richard Strauss gekündet.

Starker und herzlicher Beifall nach Momenten der Stille.

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