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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Bei diesem Quiz geht’s um Kopf und Kragen

29.08.2016

Wilhelmshaven Typisch Wilhelmshaven. Dort verweigert man sich gängigem Mainstream, der da heißt: Fernsehen ist des Deutschen Lieblingsbeschäftigung – Wilhelmshavener gehen ins Theater. Dies wiederum erfreut Landesbühnen-Intendant Olaf Strieb. Er eröffnet die Spielzeit 2016/17 auf der großen Bühne mit Georg Büchner.

„Willkommen bei ‚Wer wird Revolutionär?‘ – es geht um Kopf und Kragen, und am Ende wird geköpft.“ Die überfallartige Begrüßung einer überdrehten Moderatorin (Johanna Kröner) bricht schon in der ersten Szene mit gängigen Kopfbildern. Erschrocken blickt man auf die Oberfläche banaler Quizshows. Dies trotz hochkarätiger Besetzung: die Trikolore schwenkende Freiheit (Alina Müller) auf der einen und die demonstrativ kuchenessende Marie Antoinette (Aida-Ira El-Eslambouly) auf der anderen Seite. Garniert mit zwei Publikums-Kandidatinnen wartet das Quiz um die Französische Revolution mit erstaunlich seriösen Fragen auf.

Nur die pantomimisch umgesetzte Hinrichtung von Ludwig XVI. und der Sturm auf die Bastille überfordern. Lichter blinken, Henker winken. Gefühlt gibt es weder Gewinner noch Verlierer.

Die frühe Pause ist nötig, um den Kopf wieder frei zu bekommen für den wortgewaltigen Büchner und seine Figuren, die immer um das große Ganze ringen. Das Revolutions-Personal stellt sich vor: Danton (Julius Ohlemann) liebt seine Frau Julie (Aida-Ira El-Eslambouly) „so sehr wie das Grab“. Dantons Weggefährten Camille (Emanuel Jessel) und Lacroix (Johannes Simons) wollen ihn aus seiner Lethargie befreien. Vergebens. Da haben Robespierre (Aom Flury) und sein Erfüllungsgehilfe St. Just (Ben Knop) ein leichtes Spiel.

Auch ein letzter Rettungsversuch durch den vermeintlich Abtrünnigen Legendre (Helmut Rühl) bleibt erfolglos. Danton ist nur noch ein Schatten seiner selbst, unfähig zur Rede und zum Handeln.

Beeindruckende Szenen gelingen den Kontrahenten gemeinsam. Und erst recht dem Volk. Via Video (Maximilian Schuster) dazu geschaltet, pöbelt es gegen alles und jeden. Dort scheinen die Stärken von Regisseur Jan Steinbach zu liegen.

Man ist erschöpft nach zweieinhalbstündigem Revolutionstheater. Fazit: „Die Welt ist ein Chaos.“ An dem kann sich der Abiturjahrgang 2017 genüsslich „das Leder von den Händen reiben“.


Alle Thetaerkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 

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