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NWZonline.de Nachrichten Kultur

„die Lustige Witwe“ Im Staatstheater: Bei dieser Party bleibt der Rausch aus

09.11.2015

Oldenburg Sagt jemand zu seinem Freund: „Ich habe einen schönen Vers über einen Fischer am Gestade. Der wollte fangen einen Barsch – das Wasser stand ihm bis zum Knie.” Fragt der Freund: „Aber wo bleibt denn da der Reim?“ Antwort: „Warte ab, bis die Flut kommt!“

Möglicherweise haben die beiden die Neuinszenierung der Operette „Die lustige Witwe” von Franz Lehár im Großen Haus in Oldenburg gesehen. Dort haben sie in der Premiere gute zweieinhalb Stunden gewartet. Doch es hat sich nichts gereimt. Bei geringem Tidenhub plätschert das Wasser zwischen Knöchel und Knie. Der Inszenierung von Ansgar Weigner fehlen Hochwasser, schäumender Wellenschlag und ein mitreißender Sog.

Den Fischer-Witz hat der Regisseur hier nicht eingestreut. Aber er würde sich dem Niveau bestens anpassen. Dialoge und Gags sind von erbärmlicher Banalität. Etwa: „In meinem Kopf ist etwas drin – nicht möglich.” Oder: „20 Melonen – nein, 20 Millionen!“ Dabei hat doch dieses Theater den ebenso wunderbaren und wie verpflichtenden Ruf, kein Provinztheater zu sein.

Diese oft unlustige „Witwe“ ist nicht in Bausch und Bogen missraten. Die Handlung ist nicht verdrechselt. Der Staat Pontevedro ist pleite. Die Millionen der Witwe Hanna Glawari können ihn retten. Dazu muss sie nur einen Pontevedriner heiraten. So geschieht es, ist ja Operette. Es gibt als nette Anspielung keinen Tanz ums goldene Kalb, sondern um goldene Schafe. Es fällt eine saftige Persiflage auf die Damenwahl beim Tanzen auf. Und: Die Musik mit ihrer Komprimierung von Gefühlen behält viel Lehár-Esprit.

Aber welcher Teufel hat den Regisseur geritten, das Meisterwerk des Ungarn als eine unter bunter Oberfläche angestaubte Nummern-Reihung abzubilden? Wie sie zur Blütezeit der Operette vor 90 Jahren zeitgemäß war? Mit hastigen Auf- und Abtritten? Auf einer Bühne mit wallenden Vorhängen und aufgeblasener Langeweile? Eine Operette muss nicht zwanghaft politische und gesellschaftliche Aktualität abbilden. Doch sie braucht Mut zur gewagten Überraschung.

Immerhin könnte Weigner aufmerksam bei Lehár nachgelesen haben. „Menschen” wollte der Komponist laut eigenem Bekunden lebendig machen, „ihre Herzen, ihre Seelen, ihre Empfindungen und Leidenschaften, ihre Fröhlichkeit und Betrübnis.“ Diesen Raum lässt ihnen die Regie und das Dirigat von Vito Cristófaro. Da dringen die Ohrwürmer wie „Da geh’ ich zu Maxim“, das Vilja-Lied, oder „Lippen schweigen“ tiefer unter die polierte Oberfläche. Gerade in der Feinzeichnung besticht auch das Staatsorchester. Aber die fülligeren Passagen könnten mehr Schmiss vertragen. So stimmen atmosphärisch viele Details, aber der Rausch bleibt aus.

Besonders zwei Paare in komplizierten Liebesbeziehungen halten stimmlich und darstellerisch die Balance zwischen Komik und tieferem Ernst: Die zwischen Stolz und Eifersucht zerrissenen Valda Wilson (Hanna Glawari) und Paul Brady (Graf Danilo), und die mit dem Feuer spielenden Alexandra Scherrmann (Valencienne) und Philipp Kapeller (Camille de Rosillon).

Stefan Vitu füllt als Strippenzieher Njegus eine Paraderolle aus. Der Chor (Einstudierung Thomas Bönisch) gibt sich gesanglich und tänzerisch ungemein beweglich. Mit 20 Sängern, Tänzern und Schauspielern ist das Ensemble üppig besetzt.

Irgendetwas muss die Regie trotzdem überlesen haben. „Ich bin gegen Operettenblödsinn!“ Auch das hat Lehár einmal geschrieben. Er hat sein Publikum selten unterschätzt.

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