Oldenburg - Joseph Haydns D-Dur-Quartett op. 50 Nr. 6 ist bekannt und berüchtigt für seine Bariolage-Figuren im letzten Satz. Bei dieser Spieltechnik werden gleiche Töne auf verschiedenen Saiten gespielt, oft auch unter Nutzung einer leeren Saite.
Das erzeugt einen ganz speziellen Klangeffekt, der bei nicht vollkommen intonationsreiner Ausführung an Froschgequake erinnert. Das „Frosch-Quartett“ ist darum nicht nur wegen seiner vorbildhaften Klassizität und der ausgesprochen konzertanten Haltung, sondern auch als Indikator für die Spielstärke der Interpreten ein gern gehörtes Werk.
Die jungen und sympathischen Musiker des Berliner Kuss-Quartetts kamen bei guter Stimmenbalance und analytisch-klarem Spiel, dem dennoch nie die Wärme und der Enthusiasmus für diese Perlen der Kammermusik fehlte, im alten Landtag ganz ohne Gequake aus: Prüfung bestanden. Benjamin Brittens 3. Streichquartett op. 95 entstand 1975, kurz vor seinem Tod. Es vereinigt noch einmal all die vielfältigen, teils auch gegensätzlichen Einflüsse, die Britten, mit einer Prise spezifisch britischen Humors, in bunter Reihung nebeneinander bestehen lässt.
Schuberts letztes und längstes Streichquartett, das in G-Dur, D 887, ist ein Gipfelwerk der Gattung Streichquartett. Glücklich die, die dabei waren, als es im voll besetzten Saal des Alten Landtages erklang. Jana Kuss (1. Geige), Oliver Wille (2. Geige), William Coleman (Bratsche) und der Armenier Mikayel Hakhnazaryan (Violoncello) entfachten einen formal gebändigten Überschwang, der, technische Schwierigkeiten vergessen machend, Ausdruck und Schönklang wie nebenher zum Ausgleich brachte. Schubert wurde kongenial getroffen, weil das schier Unvereinbare bei Schubert – Freude und Trauer, Sehnsucht und Naivität, Konstruktives und Melodisches – unverkürzt und nebeneinander, spielerisch, zu seinem Recht kam.
Das Kraftvoll-Dramatische wie das Zarte, Elegische, Verhaltene gelangen gleichermaßen traumwandlerisch. Die Ohren hörten eine ständig fließende Zaubermusik, aber die Augen sahen schweißtriefende junge Menschen bei der Arbeit.
