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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Filmkritik „american Ultra“: Bekiffte Killermaschine

09.10.2015

Los Angeles Gewöhnlich passiert wenig in Mikes Leben. Er hängt am liebsten zu Hause mit seiner Freundin Phoebe ab, rollt Joints, zeichnet Comics und denkt darüber nach, wie er seiner Geliebten einen Hochzeitsantrag machen kann. Zwischendurch jobbt er in dem verschlafenen Nest Liman im ländlichen West Virginia in einem Supermarkt.

Liman - wie in Doug Liman, dem Regisseur des Agententhrillers „Die Bourne Identität“. Darin hat ein Mann die Erinnerung an sein früheres Leben verloren, doch als Jason Bourne entdeckt er seine außergewöhnlichen Kampffähigkeiten wieder.

Auch der ständig bekiffte, antriebslose Mike, gespielt von einem langhaarigen Jesse Eisenberg („The Social Network“), kann sich an wenig erinnern. Eher ungewollt wird er zur Killermaschine. Als er nachts vor dem Supermarkt von zwei düsteren Gestalten überfallen wird, streckt er die Angreifer mit heißer Nudelsuppe und einem Plastiklöffel nieder. „Ich habe gerade zwei Typen gekillt“, stammelt er ins Telefon und ruft seine Freundin zur Hilfe. „Ich habe Angstzustände deswegen, Baby“.

Und damit explodiert „American Ultra“ in ein äußerst schräges und witziges Action-Spektakel. Nach Quentin-Tarantino-Manier spritzt literweise Blut und rollen Köpfe. Mike pafft seine Joints, während ihm bis zum Hals bewaffnete CIA-Truppen nach dem Leben trachten. Als „Freundin, Mutter, Putzfrau und Vermieterin“, wie der Sheriff in dem Kaff zynisch bemerkt, ist Phoebe - gespielt von „Twilight“-Star Kristen Stewart - die treibende Kraft in Mikes Leben. Beide verbindet eine mysteriöse CIA-Vergangenheit.

Als verliebtes Kiffer-Pärchen lassen Eisenberg und Stewart die Funken sprühen. Schon in der kleinen Tragikomödie „Adventureland“ war die Lover-Chemie zwischen den beiden Stars perfekt. Nach Independent-Filmen wie „Die Wolken von Sils Maria“ und „Still Alice - Mein Leben ohne Gestern“ ist Stewarts „Twilight“-Saga nun endgültig Vergangenheit. Auch Eisenberg mit roten Kifferaugen hat sich vom Image des cleanen Facebook-Gründers Mark Zuckerberg in „The Social Network“ weit entfernt.

„American Ultra“ ist 96 Minuten fetzige aber auch recht brutale Unterhaltung. Der britische Regisseur Nima Nourizadeh, der 2012 mit der Party-Komödie „Project X“ sein Spielfilmdebüt gab, mischt das Blutbad mit skurrilen Randfiguren auf. John Leguizamo mimt einen paranoiden Drogendealer, der Mike mit Stoff versorgt. Topher Grace spielt einen durchtriebenen CIA-Boss. Walton Goggins, der schon in Tarantinos „Django Unchained“ als Fiesling zuschlug, wird zum psychopathischen Killer.

Doch gegen Stoner-Mike kommt keiner an. „Das war der altbewährte Bratpfannentrick“, staunt er mit verquollen Augen im Kugelhagel mit erhobener Pfanne als Schutzschild. Die Munition prallt ab, der Angreifer macht sich selber kalt. Das blutige Finale vor dem Supermarkt hat schließlich wieder einen romantischen Anstrich. Selten sah ein Bräutigam auf der Leinwand beim Heiratsantrag so schön fertig aus.

Filmstart: Ab 15. Oktober in den deutschen Kinos.

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