BERLIN - Der israelische Schriftsteller David Grossman erhält in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Wie der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, am Donnerstag in Berlin bekanntgab, ehrt der Börsenverein den Autor wegen seines aktiven Einsatzes für die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern. „David Grossman gibt dem schwierigen Zusammenleben eine literarische Stimme, die in der Welt gehört wird“, sagte Honnefelder.

Grossman versuche in seinen Romanen, Essays und Erzählungen, „nicht nur die eigene, sondern immer auch die Haltung der jeweils Andersdenkenden zu verstehen und zu beschreiben“, zitierte Honnefelder aus der Begründung des Stiftungsrats für die Verleihung des Preises an den 1954 in Jerusalem geborenen Autor. „Seine Bücher zeigen, dass die Spirale von Gewalt, Hass und Vertreibung im Nahen Osten nur durch Zuhören, Zurückhaltung und die Kraft des Wortes beendet werden kann.“

Der Stiftungsrat ging speziell auf den über 700-seitigen Roman „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ von 2008 ein: „Darin zeigt David Grossman die Bedeutung der Sprache für die Suche nach Identität und warnt vor ihrer zunehmenden Militarisierung. So bietet er inmitten einer Realität von Willkür, Zwang und Entfremdung Auswege aus dem jetzigen Zustand der Gesellschaft, die sich zwischen Krieg und Frieden befindet.“

Den Roman „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ schrieb Grossman, nachdem sein Sohn Uri im zweiten Libanonkrieg 2006 von einer Rakete der Hisbollah getötet worden war. Wenige Tage zuvor hatte Grossman mit anderen Schriftstellern eine Waffenruhe zwischen Israel und Libanon gefordert.

David Grossman ist einer der einflussreichsten Schriftsteller und Journalisten Israels. Seine Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Bereits als Student der Philosophie und Theaterwissenschaften arbeitete Grossman als Journalist und Hörspielautor beim israelischen Rundfunk. 1988 wurde er fristlos entlassen, weil er sich weigerte, seine Berichterstattung über die Unabhängigkeitserklärung der Palästinenser zensieren zu lassen.

Der mit 25 000 Euro dotierte Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird am 10. Oktober in Frankfurt am Main verliehen.