BERLIN - Ihr Buch ist momentan ein Renner – jetzt gibt es Naomi Klein und ihre „Schock-Doktrin“ auch als Film: Mit einer Dokumentation über den „Katastrophen-Kapitalismus“ liefert Regisseur Michael Winterbottom die Bilder zur Abrechnung mit Globalisierung und Finanzkrise. Der Film, der am Montag in der Panorama-Reihe der Berlinale vorgestellt wurde, zeichnet die Entwicklung der Weltwirtschaft der vergangenen 70 Jahre vor allem als Geschichte von Gewalt und Unterdrückung nach.

Die These der kanadischen Starautorin, die Winterbottom mit historischen Aufnahmen vom „Schwarzen Freitag“ 1929 bis zu Barack Obamas Amtseinführung bebildert, lautet knapp: Nur mit Brachialmethoden lasse sich vor allem in Entwicklungsländern der „entfesselte Kapitalismus“ durchsetzen.

Deregulierung, Privatisierung und Abbau von Arbeitnehmerrechten seien etwa in Argentinien, Chile und Mittelamerika mit dem Terror des Militärs durchgesetzt worden. In der zerfallenden Sowjetunion habe unter Boris Jelzin der enthemmte Markt die Menschen in Not und Armut gestürzt und eine Gruppen von Oligarchen reich gemacht.

Auch in westlichen Industriestaaten sei für neoliberale Politik die „Schock-Doktrin“ in der Praxis notwendig. Etwa in Großbritannien, wo sich die „Eiserne Lady“ Margaret Thatcher gegen Streikende behaupten musste. Winterbottom, der 2003 mit dem afghanischen Flüchtlingsdrama „In this World“ den Goldenen Bären gewonnen hatte, schlägt einen Bogen vom Putsch 1973 gegen den Sozialisten Allende in Chile bis zu den Zusammenstößen zwischen englischen Kohle-Kumpels und der Polizei. Indes: Seit Ausbruch der Finanzkrise überbieten sich die Regierungen mit Milliarden-Hilfsprogrammen aus staatlichen Kassen.

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