BERLIN - BERLIN/DPA - Im Beutekunst-Streit zwischen Russland und Deutschland zeichnet sich eine überraschende Wende ab: Die Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz und das Moskauer Puschkin-Museum haben einen „Neubeginn der Beziehungen“ vereinbart – und dazu gehört auch der Zutritt zu bislang verschlossenen Depots. Wie die Preußen-Stiftung gestern mitteilte, hätten deutsche Museumsexperten bei einem Besuch in Moskau „zahlreiche Exponate als Berliner Sammlungsstücke identifiziert“.

Zuvor hatte Stiftungspräsident Klaus-Dieter Lehmann im Zusammenhang mit der Moskauer Ausstellung „Archäologie des Krieges“ Kritik an der „Geheimhaltungspolitik“ der Direktorin des Puschkin-Museums, Irina Antonowa, geübt. Jetzt vereinbarten beide Seiten einen „Neubeginn der Beziehungen in offener partnerschaftlicher Atmosphäre“, wie es in einem von beiden Seiten unterzeichneten Kommuniqué heißt. „Wir haben heute begonnen, eine leere weiße Seite neu zu beschreiben, ein neues Kapitel“, sagte die Moskauer Museums-Direktorin Antonowa.

Dazu unternahmen die deutschen Experten mit dem Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, einen Rundgang durch die Ausstellung, bei dem sie etliche Berliner Stücke identifizierten. Erstmals erhielten sie auch Zutritt zu den bislang verschlossenen Depots in Moskau. Dabei übergaben sie einen kompletten Vorabdruck des Verlustkataloges der Berliner Antikensammlung.

Im September wollen deutsche und russische Wissenschaftler ein Kolloquium in Moskau veranstalten „als Beginn eines intensiven Austauschs zur Erforschung der kriegsbedingt verlagerten Bestände“. Geplant sind Ausstellungen und zweisprachige Publikationen.

Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) begrüßte den Fortschritt in der Beutekunst-Frage und zeigte sich erfreut darüber, „dass es deutschen Museumsdirektoren erstmals seit 1945 gelungen ist, die Geheimdepots des Puschkin-Museums zu besuchen“. Das sei der Erfolg „langer, Vertrauen bildender, aber auch konsequenter „Beutekunst“-Verhandlungen“, sagte sie.„Wir haben den Boden bereitet, auf dem die Zusammenarbeit der Fachleute gedeihen kann.“

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