BERLIN/BREMEN - Der in Hollywood tätige 71-Jährige leitet ein Seminar der Berliner Filmakademie. Eine gebürtige Bremerin führt Regie.

Von Olaf Reichert,

Redaktion Berlin

BERLIN/BREMEN - „Herr Ballhaus, schauen Sie doch mal nach links.“ – „Auch nach rechts!“ – „Und jetzt bitte mit dem Finger auf irgendwas deuten, ja, sehr gut!“ – „Heben Sie mal die Arme.“ – „Herr Ballhaus, hierher noch mal gucken, hierher! Herr Ballhaus!!!“

Mit großer Ruhe lässt sich Michael Ballhaus am Dienstagmorgen auf dem Gelände des ehemaligen Palasts der Republik dirigieren. Der 71-jährige international renommierte Kameramann ist wieder einmal aus Los Angeles in seine Geburtsstadt zurückgekehrt und lässt das Geschrei und Gequengel von rund 15 Fotografen mit einem professionellen Lächeln abperlen. Nach 20 Minuten hat aber auch er die Nase voll. „Enough is enough“ („Genug ist genug“) grummelt er in seinen Schnauzbart.

Ballhaus ist zum Arbeiten nach Berlin gekommen. Gemeinsam mit etwa 35 Studenten der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) dreht er hier einen Kurzfilm – vermutlich der letzte Film, der den Palast der Republik als Hintergrund nutzt. Seit 1966 ist er immer wieder als Dozent an der dffb tätig. „Von der Hingabe“ lautet der Titel des Streifens: Eine Ballade über ein jugendliches Paar, das auf den Dächern von Abbruchhäusern den emotionalen Kick sucht. Mit verbundenen Augen balancieren sie auf Dachträgern und lassen sich vom jeweils anderen dirigieren. Nur im Morgengrauen und in den Abendstunden wird gedreht. „Wegen des Lichts“, wie Nina Vukovic erklärt. Die 1978 in Bremen geborene Studentin führt Regie. Der Rest des Tages gehört der Abbruchfirma.

„Nein, mit dem Palast der Republik als Gebäude hat der Film nichts zu tun“, erklärt Ballhaus treuherzig auf dem Weg zum Dach der Ruine. Das Haus sei zu symbolbehaftet. „Zu viel Geschichte.“ Die nackte Dachkonstruktion aus rostigen Stahlträgern und bröckeligen Betonplatten diene lediglich als Kulisse.

Für Nina Vukovic, die nach einem Drehbuchstudium in Ludwigsburg nun Regie in Berlin studiert, bietet der Palast in seinem jetzigen Zustand den richtigen Mix aus Höhe, Himmel und Freiheit gepaart mit kalter, menschenfeindlicher Stahlarchitektur. Als ihre Vorbilder nennt die 29-Jährige Regiegrößen wie Ingmar Bergmann oder Akira Kurosawa.

Auch wenn der ehemalige DDR-Prunkbau, der Ende 2008 ganz von der Bildfläche verschwunden sein soll, nur die Kulisse bildet, ist er doch auch Hauptdarsteller. „Von der Hingabe“ zeigt noch einmal die Reste von „Erichs Lampenladen“. Und was als Produkt eines Ballhaus-Seminars gedacht war, könnte später zu einem einzigartigen 15-minütigen historischen Dokument werden. Ende Juli soll „Von der Hingabe“ Premiere haben.