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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Bücher: Zur Kulturgeschichte der Mausefalle

13.07.2019

Berlin Hans Magnus Enzensberger erinnert sich angesichts seines bevorstehenden 90. Geburtstages am 11. November daran, „dass für unsere Spezies eine immer weiter zunehmende Lebenserwartung nicht vorgesehen ist“. Der Schriftsteller zitiert damit in seiner jüngsten „Experten-Revue in 89 Nummern“ (Suhrkamp) den Schweizer Immunologen und Medizin-Nobelpreisträger Rolf Martin Zinkernagel.

Die wichtigste evolutionäre Funktion des Menschen sei nun mal die Fortpflanzung, die sich gewöhnlich im Alter von 25 Jahren erfüllt habe. „Durch die Wissenschaft haben wir unser Leben verlängert und damit eine Heerschar neuer Krankheiten hervorgerufen“, zitiert Enzensberger den Nobelpreisträger.

Der Schriftsteller, Lyriker und zeitweilige „Kursbuch“-Herausgeber, der einst zu den „zornigen jungen Männern“ der bundesdeutschen Nachkriegsliteratur vor allem in der legendären „Gruppe 47“ mit Günter Grass, Peter Handke und Ingeborg Bachmann gehörte, nutzt seine längere Lebenserwartung dazu, sich Gedanken über die vergangene Zeit und die Gegenwart mit all ihren Absonderlichkeiten zu machen. Jüngstes Beispiel ist seine Betrachtung über die verschiedensten kuriosen wie seriösen Experten und Spezialisten in 89 Beispielen (so viel wie sein eigenes Leben an Jahren bisher zählt).

Mal augenzwinkernd und eher banal und mal auch etwas tiefgründiger, wenn es um die Ursprünge der Rechenmaschinen und Computer geht, zu deren Urvätern er den 1662 gestorbenen französischen Philosophen und Mathematiker Blaise Pascal zählt, der davon überzeugt war, dass Rechenmaschinen „dem Denken näher kommen als alles, was Tiere vollbringen“, auch wenn sie keinen Willen haben.

Eine längere Passage widmet Enzensberger auch dem amerikanischen Erfinder, Schriftsteller und Geschäftsmann Raymond Kurzweil, den er den „weltweit führenden Fachmann für das ewige Überleben“ nennt. Eine seiner Visionen sei das Zusammenwachsen von Maschinen und Menschen, Computer würden unsere Bedürfnisse besser kennen als wir selbst. Kurzweil prophezeie „die direkte Verbindung unserer Gehirne mit der Künstlichen Intelligenz, die größtenteils in der Cloud angesiedelt sein wird, also in einer Datenwolke“. Wie aktuell das Thema ist, zeigt das gerade erschienene neue Buch von Ian McEwan „Maschinen wie ich“.

Bei Enzensberger erfährt der Leser auch, dass der Erfinder der Mengenlehre, Georg Ferdinand Philip Cantor, „leider kein glücklicher Mensch“ gewesen sei, der als großer Forscher „aus dem Labyrinth seiner eigenen Erfindungen nie wieder herausgefunden“ habe.

Aber es geht bei Enzensberger auch weit profaner zu – getreu dem Goethe-Motto „Greift nur hinein ins volle Menschenleben“. So reicht seine Expertensuche von Bierdeckelsammlern bis zur 8000 Jahre alten Geschichte der Mausefalle, ja, es gibt sogar eine „Kulturgeschichte der Mausefalle“ und auch Mausefallen-Museen im Harz oder in der Eifel.

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