BERLIN - Obelix hatte übrigens einen Bruder. Der war genauso groß und dick wie sein Zwilling und trug sogar die gleichen blauweißen Hosen. Allerdings war er als Kind nicht in den Kessel mit Zaubertrank gefallen, sondern in die Fischsuppe, was eine etwas andere Wirkung hatte. Obelisk, so hieß der Bruder, hatte zeitlebens ein Problem mit Fliegen.

Überraschung: Es gibt einen neuen „Asterix“-Band. Das Heft heißt „Asterix und seine Freunde“, ist im bekannten Din-A4-Format erschienen und sieht bis auf den feierlichen Silberrand aus wie ein ganz normaler „Asterix“- Band. Einziger Unterschied: Uderzo, der Erfinder, Zeichner und zuletzt auch Texter von „Asterix“, hat mit dem Band nichts zu tun. Der Franzose bekam das Heft jetzt zum 80. Geburtstag überreicht – von 30 berühmten Comiczeichnern, die sich zum Fest jeweils eine eigene „Asterix“-Geschichte ausgedacht hatten.

Deshalb hat Obelix jetzt einen nach Fisch riechenden Zwillingsbruder, Zeichner Turf („Das Narrenschiff“) hat ihn erfunden. Wenige Seiten später schickt Disney-Zeichner Vicar die berühmten Gallier nach Entenhausen, Daniel Düsentrieb hat sie in seiner Zeitmaschine mitgenommen („Beim Belenus, der Vogel da kann sprechen!“).

Jean und Philippe Graton lassen Obelix unterdessen lieber bei Rennfahrer Michel Vaillant einsteigen und eine Wettfahrt verlieren („Beim Teutates, wir haben ein Wildschwein überfahren!“). Und Achdé und Gerra, die offiziellen Nachfolger des verstorbenen Lucky-Luke-Erfinders Morris, geben dem Cowboy Zaubertrank zu trinken. Die Folge: Fortan schießt er schneller als sein eigener Schatten.

Lustig ist der Geburtstagsband meistens, überraschend immer, ein Geschenk nicht nur für Uderzo, sondern für alle Comicfreunde sowieso. Hier treffen sie alte Bekannte wie das Marsupilami, den Indianer Umpah-Pah oder Detektiv Rick Master wieder, hier lernen sie viel über Comic-Geschichte. Auffällig respektvoll nähern sich nämlich die meisten Zeichner ihrem großen Vorbild, kopieren sorgfältig seinen berühmten Strich.

Wenn etwa die deutsche Comic-Figur Werner sich im Circus Maximus bei einem Rennen mit Asterix und Obelix anfreundet, dann lassen die Zeichnungen von Rötger Feldmann alias Brösel keinen Zweifel daran, bei wem auch er einst in die Schule ging: natürlich bei Albert Uderzo.

Die spinnen, die Franzosen. Einem Floristen würden sie nie im Leben zum Geburtstag einen Blumenstrauß schenken. Einem Comiczeichner schenken sie aber fröhlich Comiczeichnungen – und das ist dann auch noch die beste Idee des Jahres.