BERLIN - Strittig ist unter anderem der Inhalt eines Telefonates, das der Autor mit Kerr geführt hat. Wegen des Buches verklagte die Witwe bereits einen Rezensenten.
Von Stefan Lange
BERLIN - Als 1966 die „Raumpatrouille“ an den Start ging und die Zuschauer mit den „fantastischen Abenteuern des Raumschiffs Orion“ in den Bann zog, war Charlotte Kerr dabei. Sie mimte die Generalin Lydia van Dyke. Folgt man Schweizer Medienberichten, so hat die Witwe des Dramatikers Friedrich Dürrenmatt ihre Bodenhaftung bis heute nicht zurückgewonnen. Für angeblich falsch berichtete Buch-Details verklagte sie den bekannten Schweizer Autor Hugo Loetscher auf Unterlassung. Der Prozess beginnt heute in Berlin.In dem Verfahren vor der Pressekammer des Landgerichts geht es um Schilderungen, die Loetscher in seiner Sammlung „Lesen statt klettern. Aufsätze zur literarischen Schweiz“ (Diogenes) im Zusammenhang mit der Beerdigung Dürrenmatts – er starb am 14. Dezember 1990 kurz vor seinem 70. Geburtstag – veröffentlicht hat. Strittig ist nach Angaben von Prozessbeteiligten der Inhalt eines Telefonats, das Loetscher mit Kerr führte.
Loetscher soll es nach Kerrs Willen aber auch unterlassen, in seinem Buch zu behaupten, er habe auf Dürrenmatts Nachttisch einen Schmöker von Stephen King gesehen. Schilderungen über eine Szene am Sarg sind der Witwe ebenso ein Dorn im Auge wie Loetschers Beschreibung, der Tote habe mit gefalteten Händen dagelegen.
In einem Interview mit dem Deutschlandradio zeigte sich Loetscher zuversichtlich. Die Wiedergabe des Telefonats sei möglicherweise nicht rechtens, das könne man seinetwegen streichen. „Aber ob jetzt die Hände gefaltet sind oder nicht, verstehen Sie, da lohnt eigentlich ein Prozess nicht. Und die Grundgeschichte von dieser, wie wir Schweizer sagen, Abdankung, da gibt es wenig zu rütteln und zu widerrufen.“
Kerr hatte im Zusammenhang mit Loetschers Buch schon an einem anderen Autor gerüttelt. Einem Bericht der „Neuen Zürcher Zeitung“ zufolge, sah sich der Kritiker Heinz Ludwig Arnold für eine Rezension des Buches in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ von Kerr vor den Kadi gezogen. Die Sache habe mit einem Vergleich geendet.
Zoff mit Kerr gab es auch um das Schweizer Centre Dürrenmatt, in dem Dürrenmatts malerischer Nachlass ausgestellt ist. Sein Leiter Walter Tschopp schmiss im Oktober 1999 noch vor der offiziellen Eröffnung das Handtuch.
Über Kerrs Biografie ist wenig bekannt. Ihr Geburtsjahr wird in einschlägigen Filmdatenbanken mit 1927 angegeben. 1984 heiratete sie Dürrenmatt. Nach dem Tod ihres Mannes veröffentlichte sie mit „Die Frau im roten Mantel“ ihre Aufzeichnungen über die sechsjährige Ehe.
