BERLIN - Hat ein Autor erst einmal eine Erfolgsfigur kreiert, dann lässt er so leicht nicht mehr von ihr ab. Doch so zwischen zwei Büchern mit den Abenteuern von Oma Imke auf der Nordseeinsel Föhr wollte der Hamburger Schriftsteller Volkmar Nebe „auch mal was ganz anderes machen“ – im aktuellen Fall einen E-Mail-Roman. Dass die schreiberischen Fähigkeiten des ehemaligen Oldenburger Studenten auch hier deutlich zum Tragen kommen, ist glückliche – und erhoffte – Fügung.

Zusammen mit dem Kölner Drehbuchautoren Ralf Pingel hat sich Nebe ein Ping-Pong-Spiel im Internet erdacht. Zwei Männer vertauschen versehentlich auf einer Bahnfahrt ihre Laptops, bemerken den Irrtum aber erst daheim – und beginnen eine intensive Korrespondenz via E-Mail-Konto, bei der es zunächst nur um den Rücktausch der Geräte geht, die aber zunehmend zu einem dialogischen Zweikampf zweier höchst unterschiedlicher Charaktere wird. Hier der vermeintlich erfolgreiche Hamburger Medienberater, dort der kölsche Loser aus dem Kopierladen. Wie sich die beiden im Laufe zahlloser E-Mails näherkommen, ist mit sehr feinem Humor und fröhlicher Psychologie formuliert worden. Dass Männer ebenso fies wie sensibel sein können, verschlagen wie herzallerliebst – Nebe und Pingel beweisen es in ihrer intensiven (aber natürlich völlig konstruierten) Zwiesprache im Cyberspace.

Am Ende ist dem Leser klar, dass zumindest Nebe überhaupt nichts anderes gemacht hat. Er hat seine Stärke, Menschen zu beobachten und liebevoll zu karikieren, nur in einem anderen Umfeld angewendet. Und überhaupt: Im Mai 2012 gibt es Frischware von der Insel Föhr, dann erscheint Volkmar Nebes neues Buch „Oma dreht auf“.