BERLIN - BERLIN - Das öffentlich-rechtliche Fernsehen taugt stets zur rhetorischen Weiterbildung. Da hatte doch Sandra Maischberger am späten Dienstagabend fünf Frauen eingeladen. Man war unter sich. Thema war „Angela I. – Was bringt’s den Frauen?“
Nun gehört „Menschen bei Maischberger“ (ARD) nicht zu den Sendungen, die man unbedingt sehen muss, doch diesmal blieb man hängen. Denn die Diskussion bot viel. Vielleicht viel zu viel.
Wir meinen damit, dass es die fünf Frauen plus Moderatorin tatsächlich über lange Zeit schafften, vollständig gleichzeitig und in naturgemäß ansteigender Lautstärke zu plaudern. Kurz gesagt: Man verstand nichts. Die Frauen allenfalls ihr eigenes Wort. Aber das war egal. Wer zuerst mit dem Reden aufhörte, also die Nerven verlor, der war verloren.
Dazwischen tätschelte eine hilflose Maischberger der armen Nina Hagen den Arm. Schließlich hatte Jutta Ditfurth (ja, die gibt’s noch!) die in voller Kriegsbemalung erschienene Nina Hagen glatt als „esoterische Tante“ bezeichnet. Soweit man das im Gebrabbel verstehen konnte. Nun ist Nina Hagen weder auf Kopf noch Mund gefallen. Also nannte sie als Retourkutsche Frau Ditfurth eine „Dicke Frau“, was je nach Sichtweise eventuell stimmen mag, aber wirklich nicht gesagt werden muss.
Auf dem Niveau plätscherte die anspruchsvolle Talk-Show dahin, und wären nicht Hanna-Renate Laurin gewesen, dieses Urgestein konservativer Frauenbewegtheit, nicht Wibke Bruhns, die maliziös lächelte, nicht Martine Liminski, eine Mutter von zehn Kindern, die derlei sicher qua Familie gewohnt ist, man wäre baff erstaunt.
Am Ende saß eine stinksaure Nina Hagen neben Sandra Maischberger. Die hatte Nina Hagen versprechen müssen, nichts aus der Sendung rauszuschneiden – und sich leider daran gehalten.
