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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Starke Kandidaten im Rennen um begehrte Bären

19.02.2018

Berlin Die Superstars machen sich rar, der Glamour-Faktor hält sich in Grenzen – aber mit ihren Filmen hat die Berlinale diesmal einen starken Jahrgang. Schon vor der Halbzeit gingen einige Kandidaten ins Rennen, die beste Aussichten auf einen der begehrten Bären-Preise haben.

Mit dabei ist Berlinale-Stammgast Christian Petzold, der 2012 mit der DDR-Geschichte „Barbara“ den Preis der Jury für die beste Regie gewann. Am Samstag stellte er das Flüchtlingsdrama „Transit“ vor. Nach einem Roman von Anna Seghers (1900–1983) verwebt er darin das Schicksal von Exilschriftstellern in der NS-Zeit mit der Flüchtlingssituation heute.

Hauptdarsteller Franz Rogowski (32), der diesjährige Shooting Star des Festivals, gibt der Geschichte eine ungeheuere Intensität und empfiehlt sich schon mit diesem Auftritt als Anwärter auf den Darstellerpreis. Am Freitag folgt eine zweite Hauptrolle in Thomas Stubers Liebesdrama „In den Gängen“.

Ein bedrückendes Schriftstellerschicksal erzählt auch der russische Regisseur Alexey German jr. in seinem epischen, bildstarken Film „Dovlatov“. Der später berühmte Autor Sergei Dovlatov war mit seinen ironischen Texten in der Breschnew-Ära verboten, er starb mit 48 Jahren.

Anhand weniger Tage in seinem Leben zeichnet der Regisseur das ganze Zeitbild einer Gesellschaft nach, die unter Angst, Unterdrückung und Verfolgung leidet – ein Film, der seine erschreckende Aktualität ganz von selbst gewinnt.

Einen bleibenden Eindruck hinterlässt auch der erste paraguayische Film, der je im Berlinale-Wettbewerb lief. Regisseur Marcelo Martinessi erzählt in seinem Spielfilmdebüt „Die Erbinnen“ („Las herederas“) vom Existenzkampf eines älteren lesbischen Paares. Die Tragikomödie überzeugt mit ihrer hintergründigen Erzählweise, mindestens ebenso jedoch mit der brillanten Hauptdarstellerin Ana Brun.

Daneben bietet die Auswahl des zuletzt arg gescholtenen Festivaldirektors Dieter Kosslick auch großartige Unterhaltung. Isabelle Huppert („Elle“, 64) etwa zeigt in dem Psychothriller „Eva“ von Benoit Jacquot erneut die ganze Bandbreite ihres Könnens – als verführerische, aber auch knallharte Femme fatale. Und die Westernparodie „Damsel“ der US-Brüder David und Nathan Zellner hatte trotz mancher Längen viel Witz und Ironie.

Die neue Festivalwoche beginnt mit harten Kontrasten. Neben dem norwegischen Attentats-Drama „Utøya 22. Juli“ steht mit „3 Tage in Quiberon“ ein Porträt von Leinwandlegende Romy Schneider (1938–1982) auf dem Wettbewerbsprogramm. Am Samstag, 24. Februar, gibt dann die Jury unter Regisseur Tom Tykwer (52) ihre Entscheidungen bekannt.

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