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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Der kauzige Künstler mit der Reibeisenstimme

07.12.2019

Berlin Vermutlich hat niemand das Phänomen Tom Waits besser erfasst als US-Regisseur Robert Altman, in dessen Meisterwerk „Short Cuts“ der Musiker 1993 einen Säufer spielte. „Tom ist einmalig – ein schräger Vogel, aber auf eine gute Art.“ Am 7. Dezember wird der kauzige Künstler 70 – und ist damit endlich so alt, wie er schon lange aussieht und klingt.

Kein Singer-Songwriter hat den Raum zwischen Folk, Rock, Blues und Jazz, zwischen Balladen und kunstvollem Krach so souverän durchmessen wie Waits. Als Sänger und Pianist, Hit-Schreiber für andere Musiker, Schauspieler, Film- und Theater-Komponist ist Waits eines der großen Multitalente der Popgeschichte. Dass er nie das Volkstümliche eines Bruce Springsteen oder die dichterische Wirkung eines Bob Dylan erreichte, wird er verschmerzen können nach einer fast 50-jährigen Laufbahn.

Sein Werk hat andere Ebenen: Gewalt und Schmerz, Tresen-Elend und Sucht spielen eine zu große Rolle, als dass aus ihm jemals ein massentauglicher Künstler werden konnte.

Als Sohn einer Lehrerin und eines Trinkers, der die Familie bald verließ, wurde Tom Waits am 7. Dezember 1949 nahe Los Angeles geboren. In Kneipen schnappte er Dialogfetzen für Lieder auf, die musikalisch von Kurt Weill, Ray Charles oder Frank Sinatra geprägt waren, aber bald immer weiter in Richtung Folk-Blues-Avantgarde ausgriffen. Mit dem Debüt „Closing Time“ (1973) legte der junge Waits die Grundlage für eine Karriere als Sänger und Pianist in verrauchten Clubs.

Die mit Lärm und Dissonanzen spielenden Alben der 80er Jahre waren entscheidend für Waits’ Aufstieg in die erste Liga der US-Rockmusik. Zugleich stilisierte er seine Bühnen-Performance, scheppernde Sounds und „kaputten“ Gesang zu einer Marke.

Immer wieder coverten feinere Stimmen wie Rod Stewart oder Bruce Springsteen Waits’ Lieder. Der Avantgardist startete zudem eine zweite Laufbahn als Filmkomponist mit Arbeiten für Francis Ford Coppola und Jim Jarmusch. Schon früh habe er gedacht, dass er Filme für die Ohren mache, sagte Waits einmal. Die Nähe zum Kino erleichterte ihm den Einstieg als Schauspieler, zum Beispiel in „Down By Law“ oder „Bram Stoker’s Dracula“.

Die Zusammenarbeit mit dem Theaterregisseur Robert Wilson seit Ende der 80er Jahre gipfelte in den Bühnenstücken „Alice“ nach Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ und „Woyzeck“ nach Georg Büchner. Daraus destillierte Waits zwei seiner besten Platten: „Alice“ und „Blood Money“. In Alben wie „Real Gone“ (2004) oder „Bad As Me“ (2011) kultivierte der Musiker das Image des krächzenden und zeternden Wüstlings so sehr, dass ihm manche Kritiker vorhielten, nur noch als Kunstfigur zu agieren.

Das große Glück hat Waits offenbar in der Ehe mit seiner künstlerischen Partnerin Kathleen Brennan seit 1980 gefunden. „Sie hat mein Leben gerettet“, sagte der Künstler, der mit Alkohol, Nikotin und Streunerei einen selbstzerstörerischen Lebensstil gepflegt hatte. Man darf gespannt sein, ob ein hoffentlich gesunder, zufriedener Tom Waits noch mit einem spannenden Spätwerk überrascht.

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