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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Geschichte: Planung für Berliner Exilmuseum schreitet voran

15.08.2020

Berlin Das geplante Exil- museum in Berlin nimmt Gestalt an. Das dänische Büro Dorte Mandrup setzte sich mit seinem Entwurf in einem internationalen Architekturwettbewerb durch, wie die Stiftung am Freitag bekannt gab. Nach Wunsch der Initiative, die das Projekt vorantreibt, soll das Museum 2025 öffnen.

Das Ausstellungshaus soll am früheren Anhalter Bahnhof in Kreuzberg entstehen und an die rund 500 000 Menschen erinnern, die unter dem Druck der Nationalsozialisten Deutschland verlassen mussten. Viele kehrten auch nach dem Krieg nicht mehr in die Heimat zurück.

27 Millionen Euro Kosten

Die Schirmherrschaft haben Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller („Atemschaukel“) und Ex-Bundespräsident Joachim Gauck übernommen. Die Baukosten sind mit rund 27 Millionen Euro angesetzt. Sie müssen über Spenden und private Mittel finanziert werden. Eine Kunstauktion brachte 6,3 Millionen Euro ein. Auch planungsrechtliche Fragen sind noch offen.

Müller hatte sich in einem offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel für ein Museum des Exils eingesetzt. Sie hatte wegen der Verfolgung durch das Ceausescu-Regime selbst ihre Heimat in Rumänien verloren. Sie sprach von einem ersten Schritt, „um endlich eine Leerstelle in unserer Erinnerung zu schließen“. Bis heute gebe es keinen zentralen Ort, an dem die Vertreibung Hunderttausender durch die Nazis sichtbar werde.

Mit dem Museum werde es diesen Ort geben, wo man den Inhalt von „Exil“ an einzelnen Schicksalen entlang darstellen könne: „das Risiko der Flucht, das Leben in der Fremde, die Armut und Angst, das haltlose Heimweh“, sagte Müller.

„Wer im Exil war, gilt in Deutschland bis heute nicht als Opfer“, sagte Herta Müller. Für die von Hitler Vertriebenen gebe es die Wörter „Emigration“ und „Exil“. „Vertreibung“ gehöre den Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten. „Das Wort ,Heimatvertriebene’ hat einen warmen Hauch. Das Wort ,Emigrant’ hat nur sich selbst.“

Für den Architekturwettbewerb wurden neun Entwürfe eingereicht. Die Jury entschied sich für die Idee des Kopenhagener Büros von Dorte Mandrup. Das Konzept sieht vor, dass die Ruine frei bleibt – dahinter erstreckt sich in gebogener Form der Museumsbau.


     stiftung-exilmuseum.berlin 
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