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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kriminalität: Trauma von Gotha überwunden

18.01.2020

Berlin /Gotha Er ist so etwas wie der Held eines fast unglaublichen Kunstkrimis. Knut Kreuch, Oberbürgermeister von Gotha, ist Dreh- und Angelpunkt einer Entwicklung, die dem von ihm als „Trauma von Gotha“ bezeichneten Zustand ein Ende bereiten soll. Gut 40 Jahre nach dem spektakulären Diebstahl in der thüringischen Residenzstadt und nach Monaten nicht weniger aufregender Geheimverhandlungen steht Kreuch am Freitag in Berlin vor fünf Staffeln mit jenen Gemälden von Frans Hals, Jan Brueghel dem Älteren, Anthonis van Dyck, Jan Lievens und Hans Holbein dem Älteren. Die Werke sind zurück – und sie sind authentisch.

Die Gemälde im Wert von nach heutiger Schätzung vier bis fünf Millionen Euro waren in der Nacht zum 14. Dezember 1979 aus der Sammlung von Schloss Friedenstein in Gotha gestohlen worden. Was folgte, schilderte Stiftungsdirektor Tobias Pfeifer-Helke als „größte Ermittlung zu DDR-Zeiten“, bei der nach seiner Schilderung mehr als 1000 Menschen vernommen wurden, die Stasi ermittelte und Verhöre teilweise im Gefängnis stattfanden. Dennoch blieben die Gemälde 40 Jahre lang verschwunden.

Im Sommer 2018 suchte ein Anwalt den Kontakt zu Kreuch. Es ging um die Bilder. „Die Geschichte war nicht glaubhaft, aber die andere Seite saß am längeren Hebel“, schildert der Oberbürgermeister die Ausgangslage. Eingeschaltet wurden zunächst nur zwei Parteien: die Ernst von Siemens Kunststiftung, die in solchen Fällen einen „Finderlohn“ bezahlen kann, wie es Generalsekretär Martin Hoernes umschreibt, und das Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen zu Berlin, wo Direktor Stefan Simon die Echtheit der alten niederländischen Meister prüfen sollte. Das gelang demnach mit alten Röntgenaufnahmen der Gemälde aus 40 unsortierten Kartons des zufällig gefundenen Nachlasses eines Radiologen.

Der Anwalt handelte für eine Erbengemeinschaft. Über Verhandlungen gibt es kaum Informationen. Zunächst sollte nur ein Bild rausgerückt werden, um die Wissenschaftler arbeiten zu lassen. Kreuch wollte alle. Auch auf Geldforderungen wurde laut Hoernes mit „Sturheit und Coolness“ reagiert. Ein Poker mit Erfolg: „Die Übergabe ohne Gegenleistung war der große Coup“, sagt Kreuch.

Wo genau die Bilder waren, ist noch unklar. „In Deutschland“, sagt Oberbürgermeister Kreuch. Aber es gibt einige Details von Fotos. „Frans Hals hing irgendwo in einem Esszimmer.“ Auf Brueghel sind weiße Farbtupfer, wohl von einem Zimmeranstrich. Auf einem der Fotos sei Raufasertapete zu erkennen.

In der Nacht zum 14. Dezember 1979 werden fünf bedeutende Gemälde aus den Sammlungen des Gothaer Schlosses Friedenstein gestohlen. Darunter sind hochkarätige Werke, unter anderem von Hans Holbein dem Älteren (1465-1524), Franz Hals (1580-1666) sowie von einem unbekannten Künstler nach Anthonis van Dyck (1599-1641) und dem Rembrandt-Schüler Ferdinand Bol (1616-1680).

In Gotha zieht der Fall eine der größten Ermittlungen in der DDR-Kriminalgeschichte nach sich. Trotz umfangreicher Untersuchungen ist der Fall in 40 Jahren nicht aufgeklärt worden.

Die Werke stehen im Verlustkatalog der Stiftung Schloss Friedenstein, später dann auch in der Datenbank Lost Art, der Interpol Datenbank gestohlener Kunstwerke und im Art-Lost-Register des Kunsthandels.

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