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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Historischer Moment: Rockspektakel auf dem Todesstreifen

22.07.2020

Berlin Mit verzweifelter Geste recken sich die betenden Hände in Richtung Himmel. Roger Waters scheint alle Kräfte anflehen zu wollen, um das musikalische Spektakel zu retten. Hunderttausende stehen vor der Bühne in Erwartung einer gigantischen Show des Ex-Bassisten der britischen Bombast-Rocker Pink Floyd. Der Beginn von „The Wall“ in Berlin wird von Stromausfällen und Soundproblemen geprägt. Doch dann klappt es: am 21. Juli vor 30 Jahren läuft auf dem gerade erst geräumten Todesstreifen eine spektakuläre Inszenierung.

Es wird ein historischer Moment werden: ein wahrhaft deutsch-deutsches Konzert auf dem Boden beider noch existierender Staaten. Die Mauer ist gerade mal acht Monate offen, bis zur Einheit sind es noch zehn Wochen.

Geschichtsträchtiger Ort

Auch der Ort steckt voller Geschichte. Um auf gigantischen Konstruktionen eine Bühnenmauer bauen zu können, müssen noch rasch Teile der alten Mauer verschwinden. Das Gebiet zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor wird nach Minen des Grenzstreifens abgesucht. Jahre später wird auf dem Gelände das Holocaust-Mahnmal entstehen.

Auch „The Wall“ hat keine einfache Geschichte. Das 1979 erschienene Konzeptalbum von Pink Floyd wird zum erfolgreichsten Doppelalbum überhaupt. Die Rechte liegen bei Roger Waters, von dem fast alle Stücke stammen. Anfang der 80er Jahre trennen sich Pink Floyd und Waters: Zu dem Zeitpunkt hat „The Wall“ als Bühnenspektakel schon in Los Angeles, New York, London und Dortmund begeistert. Waters will „The Wall“ eigentlich nicht noch einmal auf die Bühne bringen. Eher flapsig schränkt er ein: vielleicht doch, wenn die Mauer fällt. In Berlin. Mit den unerwarteten Ereignissen vom November 1989 wird das Projekt sehr schnell real. Die endgültige Besetzung geizte nicht mit großen Namen: die Scorpions sind dabei, Ute Lemper, Cyndi Lauper, Sinéad O’Connor, Joni Mitchell, Bryan Adams, Van Morrison, Tim Curry, Marianne Faithfull, oder The Hooters. Entsprechend groß ist der Andrang. Organisator Peter Rieger erinnert sich später an „ungefähr 220 000“ für 35 Mark verkaufte Karten. Aber nach seiner Schätzung standen 100 000 bis 150 000 Leute ohne Karten am Einlass – teilweise noch vor den zahlenden Besuchern. Das für diesen Fall vereinbarte Codewort sorgt dafür, dass – wie einst beim legendären US-Festival – die Ordner die Zäune öffnen: „Woodstock“.

„Reißt die Mauer ein!“

Die Songs erzählen die Geschichte des jungen Musikers Pink, der sich mehr und mehr von Einfluss und Grausamkeiten seiner Umgebung abschottet, jedes negative Erlebnis wird weiterer Stein einer Mauer der Isolation, die er um sich errichtet. Im ersten Teil der knapp zweistündigen Show wird „The Wall“ aus 2500 Styropor-Blöcken quer über den alten Mauerverlauf wachsen. Zum Finale kommt der parolenartig gesungene Beschluss: „Tear Down the Wall!“. Reißt die Mauer ein! Feuerwerk. Projektionen der echten Mauer. In rasender Geschwindigkeit fallen die Styropor-Blöcke, die Mauer stürzt in sich zusammen. Schon das muss in Berlin tief berühren.

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