• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Killer-Clown so gruselig wie nie

09.10.2019

Berlin Ohne einen Joaquin Phoenix (44) ist dieser Film nicht denkbar. In „Joker“ (Regie Todd Phillips) verbiegt sich Phoenix wie eine ledrige Eidechse, wie Sisyphos schleppt sich der Ausnahme-Akteur immer wieder die gleiche, ewig lange Treppe hinauf. Und er hat in dieser Comic-Adaption ein Lachen, das man nicht vergessen wird.

Dass dieser, einst dem Comic-Universum des DC-Verlags entsprungene „Joker“ (Kinostart an diesem Donnerstag) etwas Besonderes ist, deutete sich schon an, als er unlängst den Hauptpreis beim Filmfest in Venedig erhielt. Vor Phoenix haben andere den Joker gespielt, diesen bösen, ambivalenten Hauptwidersacher Batmans: Jack Nicholson, Jared Leto und, nicht zuletzt: der 2008 gestorbene Heath Ledger.

Dämonisches Kichern

Nun zeigt Phoenix, wie aus einem vom Leben getretenen Möchtegern-Komiker im fiktiven (indes als Chiffre für New York bekannten) Gotham City ein kaltherziger Killerclown wird. „Hangover“-Regisseur Phillips wagt sich erstmals an eine Comic-Umsetzung; weitere Darsteller sind Robert De Niro, Frances Conroy und Zazie Beetz.

Im Radio das verzweifelte Lamento einer Frau: Was passiert nur mit dieser Welt? Gemeint ist die Welt, Gotham City, in der sich auch Arthur Fleck (Phoenix) behaupten muss. Er tut dies an der Seite seiner Mutter, sie teilen sich ein schmales Appartement. Im TV ist die Rede von „Superratten“, auf den Straßen: Chaos und Gewalt.

Während Arthurs Mutter Hoffnung setzt in den Bürgermeisterkandidaten Thomas Wayne (den Vater des späteren Batman!), glaubt Arthur weiter an eine Karriere als Komiker. Die ihn stets verfolgende Lachstörung aber steht ihm im Weg. In unmöglichsten Situationen überfällt ihn ein dämonisches Kichern.

Allabendlich treffen sich Sohn und Mutter im Bett: Murray Franklins (De Niro) Late-Show ist ein Pflichttermin. Was würde Arthur für einen Auftritt dort geben. Stattdessen findet er sich bald auf der Bühne einer Kaschemme wieder: Der erste Gig geht in die Hose, ein Video davon wird dem Fernsehen zugespielt. Von seiner Sozialarbeiterin fühlt sich Fleck nicht ernst genommen. Enttäuschung reiht sich an Enttäuschung: Arthur verliert den Job als Partyclown, ein Kollege gibt ihm eine Waffe, es kommt zu einer ersten Bluttat. Aus Fleck wird der Joker.

In den USA hat der eindringliche Trailer zu „Joker““ noch vor Kinostart zu einer Diskussion rund um die Gewaltverbrechen in diesem Film geführt: Hinterbliebene von Opfern des sogenannten Batman-Mörders haben die Filmgesellschaft Warner Bros. zu einem Bekenntnis für strengere Waffenkontrolle aufgefordert. Der Trailer erinnere an das Blutbad 2012 in dem Kino in der US-Stadt Aurora während eines Batman-Films, so die Initiatorin eines Briefs an Warner. Das Filmstudio erklärte in einer Reaktion: „Seien Sie sich sicher: Weder der fiktionale Charakter von ,Joker‘ noch der Film sind eine Billigung realer Gewalt jeglicher Art.“

Die Diskussion erstaunt insofern, als dies nicht der erste US-Film ist, der eine Gewalt ausübende Figur in den Mittelpunkt rückt: von einem „Taxi Driver“ (an den viele „Joker“-Szenen erinnern) bis zu „American Psycho“. Auch der epochemachende Auftritt eines Heath Ledger als Joker in „The Dark Knight“ kam nicht ohne Gewaltszenen aus.

In keiner Sekunde aber hat man in diesem, ab 16 Jahren freigegebenen Film das Gefühl, Gewalt würde nur um ihrer selbst willen oder als pures Entertainment präsentiert. Vielmehr werden all die Demütigungen aufgeführt, die Arthurs Gebaren verstärken: von den Kids, die ihn auf der Straße malträtieren; über die Häme, die Showmaster Franklin im Live-TV über Arthur ausschüttet, bis zur grausamen Erkenntnis, dass ihn seine Mutter jahrzehntelang belogen hat. Dass ihm schließlich auch der Sozialdienst genommen wird – keine therapeutischen Gespräche –, kann als Kritik an einem Gemeinwesen verstanden werden, das seine Schwächsten im Stich lässt.

Eindringliche Musik

Unabhängig davon ist dies ein Film, von dem (mindestens) drei Dinge bleiben: Da ist das unglaubliches Lachen von Phoenix, das gleichsam leitmotivisch den Film grundiert. Ein Lachen, wie man es bisher noch nicht gehört hat im Kino: so verzweifelt wie verachtend, so kindlich wie monströs. Was zudem bleiben wird, ist die eindringliche musikalische Flankierung der isländischen Cellistin und Komponistin Hildur Guðnadóttir.

Und nicht zuletzt zeigt dieser Joker, wie Filme, die sich auf eine Comicfigur beziehen, auch aussehen können: Es gibt hier keine endlose Finalschlacht bunt kostümierter Superhelden, keine aufdringlichen Soundeffekte, keine sinnentleerte Action. Stattdessen: das mit viel Liebe zu Details gestrickte Psychogramm eines Psychopathen, das nachdenklich macht.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.