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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Auf ollen Mofas durch die BRD

30.10.2018

Berlin Eben noch durfte er in einer kleinen Rolle vor der Kamera von Florian Henckel von Donnersmarck brillieren („Werk ohne Autor“). Und auch sein Auftritt als Bert Brecht (in „Mackie Messer“) liegt gerade ein paar Wochen zurück: Schon ist Tausendsassa Lars Eidinger wieder im Kinosaal zu sehen, diesmal in einem Roadmovie an der Seite von Bjarne Mädel („Der Tatortreiniger“). Die beiden geben ein höchst ungleiches Brüderpaar, das sich auf eine ungewöhnliche Spritztour macht.

Irrer Trip

Die Regie zu dieser Bruder-Komödie mit manch ernstem Unterton hat Markus Goller, der gemeinsam mit Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg für „25 km/h“ verantwortlich zeichnet (Kinostart an diesem Donnerstag). Flankiert werden Eidinger und Mädel von Darstellern wie Alexandra Maria Lara, Sandra Hüller und Wotan Wilke Möhring.

Männer, die sich nach Jahrzehnten wiedersehen, die haben sich manchmal zunächst wenig zu sagen. Dass es sich bei Georg (Mädel) und Christian (Eidinger) um Brüder handelt, und sie sich zudem anlässlich der Beerdigung ihres Vaters treffen – all das macht die Sache nicht unbedingt einfacher.

Christian aber, der in Asien großes Geld scheffelt, während Georg als Tischler der schwäbischen Heimat treu geblieben ist –, weiß, wie man für Stimmung sorgt. Und so liegen sich die Brüder nach dem Begräbnis alsbald lallend in den Armen.

Damit nicht genug, steht irgendwann die alte Idee aus Teenie-Tagen wieder im Raum: Warum nicht mal mit dem Mofa quer durch Deutschland tuckern? Schnell sind die ollen Dinger entstaubt, die, oh Wunder, auch nach 30 Jahren noch ihren Dienst tun. Und nach einigem Hin und Her begeben sich Georg und Christian wirklich auf die Reise gen Ostsee (wo der irre Trip, wenn denn alles gut geht, damit enden soll, dass die beiden Kerle ins Meer pinkeln).

Es wäre wohl zu viel, würde man diesen Film ein Star-Vehikel für Lars Eidinger nennen. Viele der Szenen aber scheinen auf den, längst ja nicht mehr nur im Theater, sondern auch im Kino und im TV („Babylon Berlin“) so präsenten Berliner gleichsam zugeschnitten zu sein. Gleich zum Auftakt schenken Goller und Ziegenbalg ihm eine wunderbar hintersinnige Szene, in der dieser sein ganzes Talent an einer Bahnschranke unter Beweis stellen darf. Wie immer gibt sich Eidinger auch diesmal ganz seiner Rolle hin; und es sind nur wenige Momente, in denen seine Schauspielkunst ein klein wenig selbstverliebt anmutet.

Feucht-fröhliche Gelage

Mädel muss da zurückstecken, was freilich auch in der von ihm auszufüllenden Figur begründet liegt: Sein Georg braucht halt immer ein wenig Zeit zum Auftauen. Aber auch ihm schenkt das Filmteam hübsche Momente; etwa die so kurze wie anrührende Romanze mit einer, hier quasi als Überraschungsgast auftretenden Franka Potente.

Vieles ist recht vorhersehbar in diesem wirklich unterhaltenden, 116 Minuten währenden Roadmovie aus deutschen Landen. Wenn sich zwei Männer dieses Schlages auf eine Tour durch die Bundesrepublik machen, und sei es auf hochbetagten Mofas, dann dürfen bestimmte Ingredienzien kaum fehlen: feucht-fröhliche Gelage, Begegnungen mit bewusstseinserweiternden und ordentlich auf die Tränendrüse drückenden Drogen, mit der Staatsgewalt und auch mit der eigenen Vergangenheit (irgendwann gesteht Christian seinem Bruder, dass er einen Sohn hat), Begegnungen mit Frauen, Tieren und muskelbepackten Männern (fürwahr possierlich: Wotan Wilke Möhring).

Aller Vorhersehbarkeit aber zum Trotz: Bei „25 km/h“ handelt es sich um das zweitschönste deutschsprachige Roadmovie dieser Kinosaison nach Hans Weingartners betörend-romantischen „303“.

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