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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Stress unter Stammesfürsten

14.02.2018

Berlin Die Zeiten ändern sich auch in Hollywood rasant. Im vergangenen Jahr eroberte mit „Wonder Woman“ die erste weibliche Superheldin die Leinwände, und bereits früher geriet die mangelnde Anerkennung von Afroamerikanern in der Filmindustrie in den Fokus.

Schon vor der Oscar-Verleihung 2016 bündelte sich unter dem Hashtag #OscarsSoWhite bei Twitter die Empörung darüber, dass kein einziger schwarzer Darsteller nominiert worden war. In diesem Jahr gibt es immerhin vier Nominierungen, zwei in der Kategorie Bester Hauptdarsteller und zwei für die Beste Nebendarstellerin.

Noch bevor die Trophäen Anfang März verliehen werden, kommt jetzt mit „Black Panther“ der erste Superheldenfilm mit fast ausschließlich farbigen Akteuren vor und hinter der Kamera in die Kinos. Inspiriert von der 1966 zum ersten Mal erschienenen Comicreihe spielt dieser durchaus vielschichtige, auch politisch relevante Actionfilm aus dem Marvel-Kosmos in dem fiktiven, technologisch hoch entwickelten afrikanischen Staat Wakanda.

Black Power auf der ganzen Linie: In diesem Sci-Fi-Spektakel rauschen Hochgeschwindigkeitszüge durch eine Megacity inmitten von spektakulärer Natur. Trotzdem ist das weitgehend isolierte Wakanda, das dank eines seltenen Rohstoffs zu seinem Wohlstand gekommen ist, keine heile Welt. Nach dem gewaltsamen Tod seines Vaters kehrt der Königssohn T’Challa (Chadwick Boseman) in seine Heimat zu seiner Mutter Ramonda (Angela Bassett) zurück. Von Anfang an muss T’Challa, der sich bei Bedarf in den Superhelden Black Panther verwandeln kann, um seine Herrschaft kämpfen, eifersüchtig beäugt von Rivalen wie dem Stammesfürsten W’Kabi, gespielt von Daniel Kaluuya.

Unter der Oberaufsicht des Magiers Zuri (Forest Whitaker) muss der eigentlich friedliebende König Duelle auf Leben und Tod bestehen. Unterstützt wird T’Challa von seiner smarten jüngeren Schwester Suri (Letitia Wright), die wie der Tüftler Q aus den Bondfilmen immer die neuesten technischen Erfindungen auf Lager hat. Da kommt dann auch ein wenig Humor ins Spiel, der in diesem Sci-Fi-Abenteuer in der Regie von Ryan Coogler ansonsten spärlich aufblitzt.

Die Comic-Verfilmung weitet sich, unterlegt vom Soundtrack des Hip-Hop-Stars Kendrick Lamar, zum Familiendrama von Shakespeareschen Dimensionen. T’hallas Gegenspieler, der skrupellose Erik Killmonger (Michael B. Jordan), will den Tod seines Vaters rächen, den er T’Challas verstorbenem Vater anlastet. Der in den USA aufgewachsene Killmonger entpuppt sich als eine Art schwarzer Rächer, der auf Rassismus mit Gegengewalt antwortet.

Man kann nun darüber mutmaßen, ob dieser „Black Panther“ ein Indiz für einen grundlegenden Wandel in Hollywood ist. Wie auch immer, die starke Vision einer friedlichen afrikanischen High-Tech-Nation ist allemal sehenswert.

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