BERLIN - Im Jahr 2012 ist die Menschheit nahezu ausgestorben. Ein tödlicher Virus hat die Bevölkerung dezimiert. Außer ein paar blutrünstigen Mutanten hat offenbar nur der immune Wissenschaftler Robert Neville (Will Smith) überlebt. Einsam streift er tagsüber durch die verwaisten Straßen. Vergebens ist Neville auf der Suche nach anderen Menschen und einem Wirkstoff gegen den Virus. Nachts muss er sich vor seelenlosen Mutanten retten. Zusehends steigt seine Resignation, doch dann trifft er tatsächlich weitere Überlebende.

In dem Endzeitthriller „I am Legend“ ist ausgerechnet ein von Menschenhand erschaffener Virus Schuld an der ganzen Tragödie. Doch „Constantine“-Regisseur Francis Lawrence geht es in seinem Remake von „Der Omega-Mann“ nur am Rande um Gesellschaftskritik. Im Mittelpunkt steht vielmehr die innere Verzweiflung des einsamen Wissenschaftlers.

Will Smith („Das Streben nach Glück“) wird dabei in der Hauptrolle all sein schauspielerisches Können abverlangt. Die meiste Zeit ist er nahezu allein auf der Leinwand zu sehen.

Seine einzigen Begleiter sind ein Schäferhund und stumme Schaufensterpuppen, die der ehemalige Prinz von Bel-Air am Wegesrand drapiert hat, um sich selbst ein wenig Gesellschaft vorzugaukeln. Wie ein moderner Robinson Crusoe durchstreift er eine einsame Insel, die in seinem Fall Manhattan heißt. Und wie Tom Hanks in „Cast Away - Verschollen“ schafft es auch Smith mit Bravour, den Zuschauer im Alleingang zu fesseln und nachhaltig zu faszinieren.

In der nächtlichen Dunkelheit sieht die verlorene Welt unterdessen ganz anders aus. Dann kommen die seelenlosen Kranken wie Zombies aus ihren Löchern gekrochen. „I am Legend“ mutiert dabei vom melancholischen Endzeitdrama zum rasanten Actionstreifen im modernen Computerlook.

Bei den Mutanten handelt es sich nicht um Schauspieler aus Fleisch und Blut, sondern ausschließlich um animierte CGI-Figuren, die stark an letztjährige Filmerfolge wie „300“ oder „Die Legende von Beowulf“ erinnern. Will Smith bleibt somit in der Tat über weite Strecken des Films der einzige Mensch auf der Leinwand. „I am Legend“ entpuppt sich dabei als gelungene Mischung aus ergreifender Charakterstudie und schwindelerregender Action.

Regisseur Francis Lawrence lässt das Original von 1971 und den damaligen Hauptdarsteller Charlton Heston durch seine brillante Optik und einen glänzend aufgelegten Will Smith eindrucksvoll in Vergessenheit geraten.