BERLIN - Christian Ulmen (36) ist der Tausendsassa unter den deutschen Unterhaltungskünstlern. Nicht nur ist die berufliche Bandbreite des ehemaligen MTV-Moderators beeindruckend, auch seine Rollen reichen von Herrn Lehmann bis zu Knut Hansen, einer der vielen unsympathischen Charaktere in der Reality-Serie Mein neuer Freund. In seinem aktuellen Film Jonas, der an diesem Donnerstag startet, schlüpft er nun in einen ganz anderen Part: Äußerlich stark verjüngt geht er mit über 30 Jahren noch mal zur Schule. Herausgekommen ist eine spannende Mischung aus Fiktion und Dokumentation.
Jonas ist 18 und bisher schulisch nicht vom Erfolg verwöhnt. Nach mehrmaligem Sitzenbleiben bleibt ihm nur noch eine Chance, einen höheren Abschluss zu absolvieren, und er versucht sein Glück an der Paul-Dessau Schule im brandenburgischen Zeuthen. In dieser Rolle wurde Grimme-Preisträger Christian Ulmen sechs Wochen lang von einem Kamerateam durch seinen Schulalltag begleitet, mit echten Schülern, Lehrern und Logarithmusaufgaben. Unterfüttert wird dies mit einigen Handlungssträngen: Jonas gründet nicht nur eine Schülerband, er verliebt sich in seine Musiklehrerin und macht ihr charmante, aber unbeholfene Avancen.
Der unter der Regie von Robert Wilde entstandene Film ist damit ein interessanter Hybrid zwischen Spielfilm, Reality-Show und Dokumentation. Denn bis auf Ulmen bedient sich der Film keiner Schauspieler, alles soll so authentisch wie möglich wirken auch wenn nicht immer klar ist, ob das nun inszeniert ist oder nicht. Auch ob Ulmen seinen Mitschülern wirklich unbekannt blieb, muss offenbleiben. Die große Leistung des Filmes ist dabei nicht nur, dass man sich bewusst eine eher unaufgeregte Schule im Berliner Speckgürtel ausgesucht hat, sondern auch die schauspielerische Leistung Ulmens. Mit der gewohnten schonungslosen Direktheit und Naivität treibt er alle dazu, so offen wie möglich zu agieren, ohne sich bloßzustellen.
Jonas ist einer der intelligentesten deutschen Filme der letzten Jahre, weil er auf jede Aufgeregtheit verzichtet. Ulmen zeigt mit Jonas den Alltag einer ganz normalen Schule.
