Berlin - Der BND-Biowaffenexperte Wolf (Sebastian Blomberg) ist überzeugt, dass im Irak trotz der UN-Kontrollen immer noch Anthrax-Viren hergestellt werden. Finden tut er jedoch: Nichts.
Zurück in Deutschland stellt ihn sein Vorgesetzter Schatz (Thorsten Merten) als Führungsoffizier für den irakischen Asylbewerber Rafid Alwan (Dar Salim; Bremer „Tatort“) ein – der behauptet, er sei als Ingenieur Teil von Saddam Husseins geheimem Biowaffenprogramm gewesen. Eine Sensation für den BND, ist man doch sonst immer der „Fußabtreter der CIA“.
Eine Sensation, die eigentlich keine ist
Einen Beweis für die Herstellung gibt es nicht, Alwan (Deckname „Curveball“) weiß jedoch, wie wichtig es ist – und wie er aus seiner Situation für sich das meiste herausholen kann. Seine Erzählung gilt innerhalb des BND trotz vermehrter Zweifel irgendwann einfach als gesetzt. Die Sensation wird von Schlipsträgern mit Schampus gebührend gefeiert – doch dann platzt die Bombe.
Klingt nach einem Drehbuch für einen Spionage-Thriller? Ist leider so (oder so ähnlich) im Vorfeld des Irak-Krieges passiert. Regisseur Johannes Naber hat mit seinem Kinofilm „Curveball – Wir machen die Wahrheit“ (ab diesem Donnerstag im Kino) auf Basis von wahren Ereignissen eine Politsatire gemacht, die es in sich hat. Denn wie auch in der Realität entpuppte sich die Geschichte des irakischen Informanten irgendwann als frei erfunden. Nur leider machte der BND letzteres dann nicht bekannt und die CIA sprang auf den Zug auf.
Mit Humor begegnet
Rafid Alwan – der als einer der wenigen im Film mit echtem Namen genannt wird – kam 1999 nach Deutschland und gab dem BND gegenüber an, an Experte für chemische Kampfstoffe und Direktor einer Anlage zu deren Produktion in Djerf al Nadaf gewesen zu sein.
Die Aussagen Alwans zu angeblichen Massenvernichtungswaffen wurden von der Bush-Regierung als Begründung für den Irakkrieg herangezogen und seine Bekundungen von US-Außenminister Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat als Beleg für unerlaubte Waffenprogramme Bagdads angeführt. Am 19. März begann mit den ersten gezielten Bombardements in Bagdad der Irak-Krieg.
Das Ganze mit etwas Humor zu nehmen, sei wichtig gewesen, sagt Regisseur Naber. Ohne diesen sei die Realität ja schwer zu ertragen. Trotzdem habe man sich bemüht, dem Thema auch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit zu begegnen. Natürlich bildet der Spielfilm nicht eins zu eins die Realität ab. „Curveball“ hangelt sich aber sehr eng an den Fakten entlang. Um das zu bekräftigen, streut Regisseur Naber besonders in der zweiten Hälfte immer wieder dokumentarische Schnipsel ein. Eine Rede von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld etwa, der verkündet, dass kein Staat eine größere Gefahr für die Weltordnung darstellt als Saddam Hussein und der Irak. Oder eine Rede von US-Außenminister Colin Powell, der sich tatsächlich auf Geheimdienstinformationen von einem irakischen Ingenieur bezieht.
Das Thema angemessen zu verfilmen, ist nicht ganz einfach. Mit einer Politsatire ist Johannes Naber dies aber durchaus gelungen. „Curveball“ punktet mit spitzen Dialogen, pointierter Filmmusik und grotesker Entwicklung. Die – so ist es ja leider tatsächlich gelaufen – im Mittleren Osten einen Krieg zur Folge hatte und die internationale Politik bis heute beeinflusst.
