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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Literatur: Ein treuer Freund der deutschen Sprache

27.11.2020

Berlin Der berühmte US-amerikanische Schriftsteller Mark Twain (1835-1910) verehrte die Sprache Goethes und Schillers so sehr, dass er auf dem Grabstein seiner geliebten Frau Olivia (1845-1904) den deutschsprachigen Satz „Gott sei Dir gnädig, O meine Wonne“ eingravieren ließ. Die Gräber von Olivia und Mark Twain, der eigentlich Samuel Langhorne Clemens hieß, findet man auf dem Woodlawn-Friedhof in Elmira im US-Bundesstaat New York.

Twain kam in seiner Jugend in Kontakt mit der deutschen Sprache. In seiner Heimatstadt Hannibal am Mississippi lebten viele deutsche Einwanderer. Er entwickelte den Wunsch, die Sprache seiner Nachbarn zu lernen. Als Lehrer suchte er sich einen deutschen Schuhmacher aus. Der Versuch scheiterte jedoch an dessen schlechten pädagogischen Fähigkeiten.

1853 zog Mark Twain nach St. Louis, wo damals ein Drittel der Bevölkerung deutschstämmig war. Dort arbeitete er kurzzeitig als Setzer und Drucker für den „Anzeiger des Westens“, die größte deutschsprachige Zeitung der Region. Im April 1870 stellte seine Frau Olivia, die er im selben Jahr geheiratet hatte, ein deutsches Hausmädchen ein.

Dies war der Beginn einer Tradition, die über viele Jahre bestehen sollte. Zur Vorbereitung auf eine Deutschland- reise engagierte das Ehepaar 1877 eine deutsche Gouvernante für seine kurz nach der Heirat geborenen Kinder und begann, Deutsch zu lernen.

Im folgenden Jahr war es so weit, und die Familie bereiste Deutschland und die Schweiz. Dabei machten alle Familienmitglieder weitere Fortschritte. Nach dem über einjährigen Auslandsaufenthalt entstand der halb-fiktive Reisebericht „Bummel durch Europa“ (A Tramp Abroad), in dessen Anhang sich der Aufsatz „Die schreckliche deutsche Sprache“ (The Awful German Language) befindet.

Auch wenn der Titel des Aufsatzes etwas anderes vermuten lässt, so ist er eine Liebeserklärung an die deutsche Sprache. Darin lobt er die Großschreibung von Substantiven als „gute Idee“.

„Über das Herz ins Ohr“

Twain würdigt die gefühlvolle Seite: „Es gibt deutsche Wörter, die ungewöhnlich ausdrucksstark sind. Zum Beispiel diejenigen, die das stille, friedliche und zärtliche Familienleben beschreiben; diejenigen, die sich mit der Liebe in jeder Form befassen, von der Freundlichkeit und ehrlichem Wohlwollen bis zum Liebeswerben (...) Es gibt deutsche Lieder, die einen mit der Sprache nicht Vertrauten zum Weinen bringen können. Das zeigt, dass der Klang der Worte stimmt – er gibt den Inhalt haargenau wieder; und auf diese Weise wird das Ohr angesprochen und über das Ohr das Herz.“

Aber nicht nur für unsere Sprache hat er viel Lob übrig, sondern ebenso für unser Land („Deutschland ist im Sommer der Gipfel der Schönheit.“) und die Deutschen insgesamt: „Sie sind warmherzig, gefühlvoll, impulsiv, begeisterungsfähig, beim zartesten Anstoß kommen ihnen die Tränen, und es ist nicht schwer, sie zum Lachen zu bringen.“

Zu Hause mehr Deutsch

Auch nach der Rückkehr aus Europa blieb das Interesse Twains und seiner Familie an der deutschen Sprache erhalten. In seinem Hause wurde teils mehr Deutsch als Englisch gesprochen. Seine drei Töchter beherrschten die neue Fremdsprache bald so gut wie ihre Muttersprache. Twain lernte zwar auch Französisch und Italienisch, aber keiner anderen Fremdsprache widmete er so viel Aufmerksamkeit und so viel Liebe wie dem Deutschen. Die Sprache fand Eingang in Briefe, Notizbücher und einige Werke.

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