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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Energischer Kampf gegen alle Spießbürger

27.01.2018

Berlin Geboren in Köpenick, aufgewachsen in Neukölln, gelebt in Charlottenburg und Frohnau oder Wilmersdorf: Kein Zweifel, -ky alias Professor Dr. Horst Bosetzky ist und bleibt Urberliner Gestein. Allein über die Berliner S-Bahn könnte der Schriftsteller und Ex-Hochschullehrer stundenlang reden. Über die Wagentypen, das Gewaltsame des Antriebs, die Geräusche, die sozialen Vorgänge, die sinnlichen Eindrücke: „Da sehe ich die Leute, höre ihnen zu, rieche sie.“

Der Mief Berlins hängt auch seinen mehr als 60 Büchern, zumeist Krimis, an, hat ihrer Wirkung aber nie geschadet. „Selbst ins Chinesische hat man einige meiner Bücher übersetzt“, weiß er. Und dass er keinen Cent dafür bekommen hat. Was den am 1. Februar 80 Jahre alt werdenden Auflagenmillionär am meisten ärgert? Weniger das Geld, sondern was alle ärgert: dass wir sterblich sind.

Ganz offensichtlich ist das Faszinierende seiner Persönlichkeit identisch mit einer Mischung aus verhaltenem Stolz und offen zur Schau getragenem Leid, das sich traurig in seinen blauen Augen spiegelt. Wer sich dem Mann nähert, den verblüfft, was hinter der Fassade des Erfolgs zum Vorschein kommt: Ärger über versäumte Chancen (aus der Zusammenarbeit mit dem späteren Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen hätte mehr werden können), die körperlichen Beschwerden, Rückenleiden, Gallensteine, kürzlich eine OP.

Ach, kein Sieger tritt auf uns zu. Andererseits ist Bosetzky fleißig, aktiv, unruhig. Er ist ein Morgenmensch und Schnellschreiber. Erst absolvierte er eine Lehre bei Siemens. Sein Studium der Soziologie schloss er dann 1969 mit einer Promotion ab.

Vier Jahre später war er Professor an der Fachhochschule für Rechtspflege in Berlin. Arbeiten zu „Problemen des Strafvollzugs“ bereiteten den Boden für die Sozio-Krimis. Kollegen waren es, die den Braten schon in den 70er-Jahren rochen. -ky: Das Pseudonym (besonders von rororo-Krimis) wackelte, obwohl Bosetzky die Urheberschaft tapfer leugnete.

Eines Tages musste er die Flucht nach vorn antreten. Es war kein Scherz, als er am 1. April 1981 im Fernsehen das Pseudonym lüftete. Das Drehbuch- und Hörspielschreiben für Serien wie „Tatort“ oder „Soko 5113“ hatte er sich da längst selbst beigebracht.

Bis heute ist er ein Altlinker geblieben. Der prüde Spießbürger war ihm immer ein Graus, in seinen Krimis hat er ihn geteert und gefedert. 1971 war „Zu einem Mord gehören zwei“ erschienen, der erste -ky-Krimi mit Kommissar Mannhardt. In den letzten Jahren faszinierten ihn historische Stoffe und die eigene Familiengeschichte – natürlich mit Bezug auf Berlin.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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