BERLIN - Das ist nicht mehr die Welt der ehrlichen Kaufleute. Das ist die Welt der Spieler und Gaukler, wusste Konsul Jean Buddenbrook schon um 1855 und verabschiedete sich mit einem Seufzer von seiner untergehenden Welt. Den alten Buddenbrook spricht in dieser hochkarätig besetzten Hörbuchfassung nach Heinrich Breloers Filmdrehbuch Armin Mueller-Stahl mit hanseatischem Stolz, in dem aber schon Zweifel und Melancholie mitschwingen.
Der Hörspielregisseurin Marie Luise Goerke ist es gelungen, mit kluger Dramaturgie zwischen Erzähler (wunderbar: Friedhelm Ptok) und Dialogszenen (mit Iris Berben, Jessica Schwarz, August Diehl, Mark Waschke und vielen anderen) die Stimmung aus Thomas Manns Jahrhundertroman einzufangen. Ein Hörfest zum Fest.
Mueller-Stahl feiert in diesem Dezember seinen 80. Geburtstag und aus diesem Anlass hat er sich und seinen Verehrern mit der CD Es gibt Tage ein Geschenk gemacht. Auf ihr sind seine besten Lieder und Balladen, alle selbstgedichtet, versammelt und neu aufgenommen. Mit von der Partie sind der Komponist Günther Fischer sowie Tobias Morgenstern, einer der besten Akkordeonspieler des Landes.
Mueller-Stahl nennt diese Zusammenstellung eine musikalische Reise in die Vergangenheit, aber seine Lieder aus der DDR haben auch 40 Jahre nach ihrer Entstehung nichts von ihrer poetischen Leichtigkeit und ihrem politischen Humor verloren. Kein Wunder, dass sie den Politfunktionären damals suspekt waren und nach Mueller-Stahls Übersiedlung in die Bundesrepublik in Vergessenheit gerieten. Ein musikalisches Überraschungspaket.
Klaus Buhlert ist mit seinen opulenten Hörspielbearbeitungen bekannt geworden, die vor keinem Klassiker zurückschrecken. Meist sind seine Produktionen ebenso aufwendig besetzt wie komponiert, mit einem Stamm-Ensemble, eigenen Musiken und erstaunlichen Soundeffekten. Jetzt hat Buhlert sich Miguel de Cervantes Don Quijote von der Mancha vorgenommen und diesen grandiosen Wälzer voller Ritter, Drachen und Dulcineen mit drei Schauspielern inszeniert: mit Rufus Beck als Don Quijote, Thomas Thieme als Sancho Panza und Anna Thalbach in allen Damenrollen.
Aus 1600 Seiten Weltliteratur sind sechs Stunden Hörspielvergnügen geworden. Eine ebenso philosophische wie komische Bescherung.
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