BERLIN - Die Telefone der extra eingerichteten Kinderseelsorge klingelten wohl nicht im Sturm, als der siebte und letzte Harry Potter nun endlich auf dem Markt kam. „Alles war gut“ – mit diesen Worten verabschiedet sich die Autorin Joanne K. Rowling nach zehn Potter-Jahren von Millionen Fans weltweit.
Zuvor geht es in „Harry Potter and the Deathly Hallows“ allerdings ordentlich zur Sache. Es ist ein furioses Finale. Die Zeiten des unbeschwerten Zauberspaßes sind vorbei. „Ich muss es sein, der Harry Potter tötet, und ich soll es sein“, ruft Lord Voldemort, Harrys ärgster Widersacher, dem erschauernden Leser gleich zu Beginn ins Bewusstsein.
Viele liebe Schauplätze kommen nicht mehr vor, und statt fröhlich auf Besenstielen durch die Luft zu reiten und im Internat Hogwarts dem Schülerleben zu frönen, schleicht Harry diesmal in schwieriger Mission auf weniger kinderfreundlichen Orten wie Friedhöfen herum.
„Der letzte Feind, der zerstört werden muss, ist der Tod“, liest der erschütterte Zauberknabe auf dem Grab seiner Eltern und fortan lässt ihn der Tod nicht mehr los. Kein Wunder, sterben um ihn herum doch mindestens zehn Charaktere, schon auf den ersten Seiten muss eine von seinen kleinen Begleiterinnen dran glauben – auch wenn es eine tierische ist.
Doch viel Zeit, Tränen zu vergießen, bleibt nicht bei all der Aufregung, die Rowling so kunstvoll aufzubauen versteht: Hastig verschlingt der Leser Seite um Seite, bis er endlich die Bedeutung der rätselhaften „Deathly Hallows“ aufdeckt: Reliquien des Todes, die ihren Besitzer zum „Meister des Todes“ machen. Der bebrillte Supermagier fühlt darauf einen Drang zum Bösen, zur Supermacht.
Selbst der unfehlbare Zaubermeister Dumbledore entpuppt sich als einer, der schon mit den dunklen Mächten geliebäugelt hat. Rowling gelingt es so, ihren Figuren eine spannende Zwiespältigkeit zu geben. Die Fabelwelt verwandelt sich in das düstere Reich des bösen Lords, der Rassenreinheit predigt. Die „Meldebehörde für Muggle-Geborene“ mag als Parallele zum Nazi-Regime in einem vor allem für Kinder gedachten Buch leicht abwegig erscheinen. Wegen all der Widrigkeiten hat der 17-jährige Harry kaum Zeit für sein Privatleben, zum Ärger von Lesern, die auf ein aufregendes Sexleben gewettet hatten.
Für alle Nicht-„Potterologen“ ist der Band nicht der Einsteiger-Band. Zu sehr sind Charaktere und Erzählstränge mit den vorherigen Büchern verknüpft. Im letzten Teil findet nun alles eine Auflösung. Rowling zaubert immer wieder Überraschungen aus dem Hut. Selbst wenn einige wegen des Happy Ends „langweilig“ schreien – es ist ein angemessenes Ende. Wie hätte Rowling auch einen Helden, mit dem Millionen von Kindern groß geworden sind, am Ende sterben lassen können?
Informationen zu Harry Potter – Romane und Filme
Von den ersten
sechs Harry-Potter-Romanen wurden weltweit 325 Millionen Ausgaben in 64 Sprachen verkauft.Der siebteund letzte Band „Harry Potter and the Deathly Hallows“
(Bloomsbury, London, 607 Seiten, ohne Preisbindung) wurde in Deutschland von 170 000 Fans vorbestellt.Für die noch titellose
deutschsprachige Übersetzung, die am 27. Oktober erscheint, liegen 80 000 Vorbestellungen vor.Das fünfte Filmabenteuer
„Harry Potter und der Orden des Phönix“ erzielte vor einer Woche in Deutschland mit 2,1 Millionen Zuschauern das beste Startergebnis des Jahres. Das Kinofinale der gesamten Reihe ist für 2009/2010 geplant.Der 17-jährige Held hat nicht viel Zeit für sein Privatleben
