BERLIN/LOS ANGELES - Ein Wind weht durch Los Angeles. Das muss ein Zeichen sein – ein Zeichen vom „King of Pop“. Ganz sicher ist sich Regisseur Kenny Ortega: „Es ist der Geist von Michael Jackson. Er ist hier.“ Und da ist er auch schon, wenn auch nur auf der Leinwand: „This Is It“, ein Zusammenschnitt von Filmaufzeichnungen während der Proben für Jacksons Comeback-Konzertreihe, zeigt die letzten Arbeitswochen des Stars.

Der Film feierte am Dienstag in Los Angeles Premiere. In Berlin wurde er in der Nacht zu Mittwoch im CineStar am Potsdamer Platz gezeigt. Im Kino läuft „This Is It“ weltweit nur zwei Wochen, 2010 erscheint der Film auf DVD.

Alles beginnt mit einem Casting. Junge Menschen, die Tänzer in der gigantischen Bühnenproduktion werden wollen, sprechen zitternd vor Nervosität Worte der Bewunderung in die Kamera. Noch ist die Halle leer. Denn Michael Jackson (1958–2009) gibt gerade in London eine Pressekonferenz, auf der er zehn Shows ankündigt. Dass der Veranstalter des Spektakels, die Anschutz Entertainment Group, 50 Shows plant, weiß er da augenscheinlich noch nicht: Der Künstler wirkt desorientiert, fahrig – wie auf Droge.

Der Streifen – nach Angaben des Verleihs ein „Dokumentarfilm“ – zeigt diese erschütternden Szenen, die längst aus dem Internet bekannt sind, nicht. Das Material wurde drastisch zusammengeschnitten, bis nur noch jubelnde Fans und Jackson zu sehen sind, wie er „I love you“ sagt.

Die Aufnahmen entstanden von April bis Juni. Verwendung fanden vor allem Kostüm- und Beleuchtungsproben, die Jackson gut aussehen lassen – verhältnismäßig. Der Mann, der kurze Zeit später den bisherigen Ermittlungen zufolge an einer Überdosis des Narkosemittels Propofol starb, ist kaum mehr als Haut und Knochen. Mal ist es ein silberner Überwurf, mal eine Jacke im „Oversized“-Look, die ihm eine menschliche Statur gibt. „Trink mal ein Gas Wasser“, befiehlt der Produktionsleiter, und Jackson gehorcht.

Beeindruckend allerdings, mit welcher Präzision Jackson seine Tanzbewegungen vollführt, über was für eine Mikrofondisziplin er verfügt, wie genau er intoniert. „Ein Perfektionist“, wie Jonathan Moffett, Jacksons Drummer sagt. „Für einen Superstar ist das nicht gerade selbstverständlich.“ Er wolle, so hatte Jackson seine Band instruiert, dass alles so klingt wie auf seinen Alben, „wie die Leute es gewohnt sind“. Und ob „Beat it“, „Thriller“ oder „Earth Song“ – die Songs sitzen. Doch schon die Proben waren zu viel für Jackson, die Shows hätte er niemals durchgehalten, heißt es.

Doch nicht im Film. „This Is It“ versucht, die menschliche Tragödie mit Bühnenlicht zu überstrahlen – und macht sie so nur überdeutlich sichtbar. Bis zum Ende zeigt der Film die schöne Welt des Showbiz. Auch der allerletzte Satz im Abspann ist politisch korrekt. Er lautet: „Es kamen keine Tiere bei diesen Aufnahmen zu Schaden.“