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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Hörgewohnheiten ändern sich radikal

12.07.2019

Berlin Warm klingende Vinylplatte oder knisterfreie CD? Diese von Musikern und Fans ideologisch aufgeladene Frage nach dem optimalen Sound-Genuss hat nun auch die Kundschaft in Deutschland eindeutig beantwortet – zugunsten des nüchtern-pragmatischen digitalen Audiostreamings.

Nach den Halbjahreszahlen des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI) vom Donnerstag lässt die Branche ihre fast 20 Jahre währende Krise hinter sich, weil die Menschen ihre Lieblingsmusik auch hierzulande immer weniger auf Tonträgern kaufen, sondern über Plattformen wie Spotify, Amazon, Apple Music, Tidal oder Deezer. Die Gewohnheiten beim Musikkonsum ändern sich radikal, wie auch eine derzeit laufende Nutzerstudie zeigt.

Gingen die Gesamtumsätze nach Verbandsberechnung 2017 und 2018 noch leicht zurück, so läuft es 2019 bisher wieder rund. Bei 783,2 Millionen Euro Umsatz in den ersten sechs Monaten verzeichnete die Musikbranche ein Plus von knapp 60 Millionen Euro (7,9 Prozent) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – die höchste Wachstumsrate seit 1993. Zum Vergleich: Zwischen 1998 und 2012 hatten sich die Umsätze fast halbiert.

Weder Compact-Discs mit zuletzt nur noch 28,2 Prozent Marktanteil (nach 36,4 Prozent im Gesamtjahr 2018) oder Vinyl-Schallplatten mit gleichbleibend 4,4 Prozent Marktanteil sind Antreiber des Trends – sondern das bei vielen Musikpuristen verpönte Audiostreaming. Es legte im ersten Halbjahr 2019 um satte 27,7 Prozent zu und hat nun 56,4 Prozent Marktanteil (Gesamtjahr 2018: 46,4). Der Digital-Umsatz insgesamt – inklusive vor allem der Musik-Downloads – hatte einen Anteil von zwei Dritteln des gesamten Kuchens (2018: 56,7 Prozent).

„Das Audiostreaming verhilft uns gerade im globalen Markt zu einer Erfolgsgeschichte“, sagt BVMI-Vorstandschef Florian Drücke in Berlin. Die Plattformen seien „hierzulande mit einem geringen Zeitrückstand in den Markt gegangen“, räumt der Verbandsmanager ein. „Es gab sicherlich zu Beginn die Sorge vieler Konsumenten in Deutschland um die persönlichen Daten beim Zahlungsverkehr, die Angst vor Missbrauch von Kreditkartendaten. Auch hat sich der deutsche Fan länger in seiner physischen Welt aufgehalten als die Fans in anderen Ländern.“

Letztlich sei es aber nur eine Frage der Zeit gewesen, betont Drücke: „Wann bekommt der Nutzer Appetit auf diese neue Welt des Streamings?“

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