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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Keine Vereinigung zum Jubiläum

15.11.2019

Berlin „Der Saal war besser gefüllt als sonst. Eine Band aus Berlin, kann man ja mal hingehen.“ So beschreibt der Club „Tivoli“ aus dem sächsischen Freiberg das Konzert vom 19. November 1969. Auf der Bühne stand eine Cover-Band mit einem hünenhaften Sänger. Er hieß Dieter Birr und sang englisch. Das Repertoire der „Tanzveranstaltung“ umfasste 15 Titel – etwa von Deep Purple, Uriah Heep und Led Zeppelin.

Es war das offiziell erste Konzert der Puhdys. Eine der erfolgreichsten Bands der DDR wäre damit nun 50 Jahre alt. Seit Januar 2016 gehen die Musiker getrennte Wege. Ein Wiedersehen mit einigen von ihnen gibt es dennoch – am 19. November in Rostock.

Birr alias „Maschine“, inzwischen 75 und Verfasser vieler (deutscher) Puhdys-Hits, hat damals in einer Sprache gesungen, die er bis heute nicht gelernt hat. „Die Songtexte haben wir damals phonetisch abgehört“, berichtet er. Das heißt: „Wir haben ein Englisch nach unserer Auffassung gesungen, das mit Englisch nix zu tun hatte.“ Den Fans war es egal: „Wir waren ein Ersatz für die internationalen Bands – für die Leute war es wichtig, dass sie ihre Lieblingsmusik hören.“

Nicht jeder mochte das: Der Bürgermeister von Brand-Erbisdorf etwa verbot den Puhdys den Auftritt in seinem Ort, weil ihm die Männer mit den langen Haaren, den englischen Liedern und der Nebelmaschine suspekt waren. Doch das konnte die steile Karriere der Gruppe, deren Name sich aus den ersten Buchstaben der Vornamen der Musiker zusammensetzte, nicht aufhalten.

Schon nach einigen Jahren erlaubten ihnen die DDR-Oberen, im Westen aufzutreten. Das erste Konzert dort führte die Puhdys 1975 nach Holland. Ein Jahr später traten sie in der Hamburger „Fabrik“ auf. Regelmäßig umjubelten in Berlin Zehntausende Zuschauer die DDR-Vorzeigeband in der Waldbühne im damaligen Westteil der Stadt.

In der DDR wurden die Puhdys zwölf Mal zur beliebtesten Rockgruppe gewählt. Trotz der vielen Fans auf beiden Seiten der Mauer lösten sie sich 1989 auf – mit einer Tour 20 Jahre nach der Gründung. „Wir hatten alles erreicht. Es war uns ernst mit dem Ende“, meinte Keyboarder Peter Meyer (79) Jahre später. Mit dem Mauerfall sei es wieder spannend geworden – und es ging weiter.

Im Januar 2016 schließlich beendeten die fünf Musiker im Rentenalter in Berlin vor 11 500 Fans ihre Abschiedstour. In der „Rockerrente“ ist seitdem aber keiner der Musiker – obwohl einige von ihnen schwer erkrankt waren.

Doch irgendwas ist immer: „Maschine“ Birr etwa produziert Solo-Alben, steht regelmäßig auf der Bühne, tourt mit einer Talk-Show „50 Jahre Puhdys“. Und Dieter Hertrampf (74) alias „Quaster“ berichtet, er habe mehrere Projekte; etwa seine eigene Show „Quaster – Ich bereue nichts“, in der er durch sein Leben führe. Derzeit produziere er eine neue Platte. Vermisst er die Puhdys? Antwort: „Nein.“

Ihren ersten Hitlandeten die Puhdys im Jahr 1973 mit „Geh zu ihr“ als Filmtitel für „Die Legende von Paul und Paula“ (Regie Heiner Carow). Angeblich wurden die angedachten Titel „Spicks and Specks“ (Bee Gees) und „Look Wot You Dun“ (Slade) aufgrund Devisenmangels gestrichen und stattdessen Eigenproduktionen genommen, denen die starke Ähnlichkeit zum Original anzuhören ist. Der Text von „Geh zu ihr“ wurde wie auch „Wenn ein Mensch lebt“ von Autor Ulrich Plenzdorf (Die neuen Leiden des jungen W.) geschrieben.

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